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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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ELFTES KAPITEL

Jan hatte seine stillschweigend anerkannte Autorität als Spre- cher der Belegschaft an Michael abgegeben. Sein Heimweg er- kolgte nicht mehr inmitten einer Gruppe junger und älterer Ge- fährten.

Er schob sich still an Gebüschen vorbei dem Judentor zu, wenn die Arbeit beendet war. Sein Gesicht war dem Laub zugewendet. Hecken und Baumstämme streifend, machte er sich möglichst un- Scheinbar, so daß er rasch vielen aus dem Gesichtsfeld geriet. Und selbst, wenn es dem einen oder anderen gelang, ihn aufzu- spüren, so blieb Jans Stimme dennoch stumm. Dem, der ihn an- redete, lãchelte er bloß zu, mit einem matten, resignierten, bei- nahe gleichgültigen Lächeln. Sein dunkles Haar hing ihm wirr ins Gesicht. Man merkte ihm nicht an, woran er dachte. Jedenfalls zeigte er keine Lust zu einem Gespräch.

Wenn jemand Rat oder Finschreiten erbat, verwies ihn Jan mit pitterem Lachen an Michael. Dieser hatte sich zum Repräsentanten der jüdischen Arbeiterschaft aufgeschwungen. Sollte im Namen der Belegschaft eine Erklärung abgegeben oder ein Befehl ent- gegengenommen werden, so trat Michael in Erscheinung. Unleugbar befriedigte es ihn, dieses Amt übernommen zu haben. Er versprach sich davon zumindest eine Art Sicherheit. Und des- halb scheute er kein Opfer, wirklich als Vertrauensmann der Gesamtheit zu gelten. Er zeigte sich willig⸗ mit Ratsuchenden zu reden, und versagte niemandem Gehör. Er verstand sich weni-

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