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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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pesitzt, sein Leben fortzufristen, macht er von dieser Möglich- Leit Gebrauch. Aber wenn er erkannt hat, daß er verloren ist? Daß er nichts mehr zu erwarten hat als Unerträgliches? Muß er da nicht sein Vorhaben ändern? Wenn das, was ihm auferlegt wurde, nichts anderes ist als die ihm vom Feinde auferlegte Art des Unterganges, muß er da sein Ende nicht in die eigene Hand neh- men und untergehen, wie es ihm beliebt?

Er blickte in das Schweigen der Zuhörerschaft. Seine Augen wan- derten von einem zum anderen. Die Zuhörer aber wichen seinen Blicken aus. Sie begannen zu ahnen, was ihnen zugemutet wurde.

Fragt man mich, wie ich sterben wollte, erklärte Jan und legte Zeiträume zwischen die einzelnen Worte,ich würde nicht war- ten, bis ich verbraucht bin und unfähig, auch nur eine Abwehr- bewegung zu tun.

Jan zögerte neuerlich. Er sammelte alle Kraft, um seine Bot- Schaft zu verkünden, ballte die Fäuste, straffte den Hals und reckte den Körper hoch.

Ich, schrie Jan mit unerbittlich aufgehobenen Händen nach dem im Halbdunkel kauernden Vierétk seiner Zuhörer hin,ich kann euch Freiheit verschaffen. Nennt es ein Wunder; nennt es einen außerordentlichen Zufall. Ich habe eine Stimme gehört. Wer gläubig ist, wird es als Offenbarung bezeichnen. Ihr seid im- stande, das Schloß in Besitz zu nehmen. Habt ihr das Schloß, dann habt ihr die Wahl, ob ihr entweder unter seinen Trümmern sterben oder euch zu Bogdans Bande durchschlagen wollt, die elwa zwanzig Meilen von hier operiert.

Ein Aufschrei antwortete ihm. Die Delegierten fuhren von ihren Plätzen auf und begannen, wie toll aufeinander einzureden. Der vinzige Raum war plötzlich voll von Geschrei und aufgeregten Gesten. Die Iälfte der Anwesenden beschwor Jan. Die andere er- schöpfte sich in zornigen und ablehnenden Zurufen.

Allmählich verschaffte sich die Stimme eines einzelnen Menschen Geltung. Es war die des Vorbeters Luria. Er trat vor Jan hin, mit seinem feisten Nacken, seiner breiten Stirn und den Augen eines wütenden Stiers.

Ich wußte immer, daß du ein Unwissender bist. Und du beweist

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