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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Eine unförmige Last erreichte seine Schultern. Er glitt aus, ver- fing sich im Gezweig und war im nächsten Augenblick im Laub und Astwerk begraben.

Drei Stunden nach seinem Tod wurde Fritzens Leichnam gefun- den. Anna bettete seinen Kopf in ihren Schoß. Sie sah ihn er- 2 blassend an, während sich das Bewußtsein des Verlustes in ihr ausbreitete.

Schwächling, sagte sie mit blutleeren Lippen,warum bist du geflohen und hast unterlassen, mich mit dir zu nehmenꝰ

Sie sah sein Gesicht an, dieses unerwartet zufriedene und aus- geruhte Gesicht. Ihre Empfindungen schwankten zwischen Neid und Trauer.

So hatte er die Flucht ergriffen, wie er zuweilen angedroht hatte. Er hatte sich heimlich davongemacht. Wer hatte Fritz für so heimtückisch gehalten! Er hatte das bessere Teil gewähli. Sie aber hatte er allein gelassen. Nun hatte sie niemanden mehr, um den sie sich kümmern und den sie bevormunden konnte. Sie blieb zu- rück, allein und unfrei. Was sollte sie in diesem riesigen Kerker, der die Welt war!

Schwächling! sagte sie verzweifelt und starrte mit heißen und trockenen Augen auf den Toten.Hast du mich wirklich gehaßt? War es dir unerträglich, mit mir zu leben? Ich wußte es nicht. Immer dachte ich, daß du mich brauchst. Ich bildete mir ein, dir unentbehrlich zu sein.

3.

Zu den selisamsten Verbindungen, die jemals in der Judenstadt geschlossen worden waren, zählte die Freundschaft zwischen Ray- mund, dem Maler, und Fenyes, dem Mann aus den Karpaten. Des- sen Unwille zu lernen hatte bereits den Lehrer veranlaßt, ihn aus der Schule auszuschließen. Daher kam es, daß Fenyes nicht viel mehr verstand, als die Schafe seines Porfes an den Abhängen eines Berges, genannt Makovica, zu weiden.

Auch dort hatte er kein überirdisches Gesicht. In der warmen Jahreszeit lag er vom Tagesgrauen bis zum Einbruch der Dunkel-