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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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sie spöttisch mustern. Und am nãchsten Morgen würde sie auf dem Lastenbahnhof zu R. stehen, im Begriff, jene rãtselhafte Reise anzutreten, deren Teilnehmer noch niemals Nachricht gegeben hatten.

Fva drängte zur Arbeit in der Schmiede und schwang schwere Hammer. Dennoch nahm das Kind Gestalt an. Ihre Hoffnung Schwand. Sie konnte mit niemandem reden. Es schien ihr sinnlos, den Vater des Kindes einzuweihen. Er trug weit weniger Schuld als sie. Sie fühlte sich in keiner Weise mit ihm verbunden.

Der Druck, der auf ihr lastete, war schwerer als die Last der ande- ren. Jene zitterten vor vielleicht Abwendbarem. Eva brauchte nur auf den Kalender zu blicken, um zu berechnen, wann das Unglück eintreten mußte. Jeder Abend brachte es um einen Tag näher.

Je tiefer sie sich dessen bewußt war, daß ihre Schwangerschaft den Tod prachte, desto gieriger Klammerte sie sich an das Leben. Sie wollte sich glauben machen, daß bei einer so harten und selbst für Männer aufreibenden Arbeit eine Frucht unmöglich wachsen und lehen konnte. Aber wenn sie nachts den Finger an den Unter- leib legte, glaubte sie das Kind wachsen zu hören. Vielleicht war schon ein Körper da, mit einem Herzen, das schlug. Sie lauschte stundenlang, um es schlagen zu hören. Ab bloß der dumpfe Laut des eigenen aufgeregten Herzens.

Immer noch dachte Eva, daß Hilfe kommen müßte. Aber woher

konnte sie kommen? Wer konnte sie pringenꝰ

er was sie hörte, war

2.

Fs konnte nur ein bõsartiger Zufall Sein, daß Brigolas erstes Opfer nicht zu den unmittelbaren Untergebenen des Betriebsleiters ge- pörte. Es war Fritz Bruschweiler, der Waldarbeiter. Seltsamer noch war, daß Brigola tötete, ohne es zu wollen; ja, ohne es zu wissen.

In regelmäßigen kurzen Abständen wurde aus dem Wald Hol⸗ in die Holzbearbeitungsanlage der Werkstatt geschafft. Vier der Waldarbeiter zogen und schoben den nolzbeladenen Wagen ins Schloß.

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