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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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merkten seine Besitzerfreude. Er verbarg sie gar nicht; um seine vollen Lippen huschte ein wohlgefälliges Lächeln.

Wãhrend er sich an dem Anblick seiner Untergebenen weidete blie- ben seine Lippen stumm. Er hielt es für unnötig, etwas zu sagen. Alle wußten, was geschehen war. Ihre Mienen gaben eine deut- liche Bestätigung dieses Wissens. Eine Verlautbarung von Brigolas Amtsübernahme war daher unnötig.

Aber während sie die beiden Kolonnen musterten, redeten seine Augen eine deutliche Sprache.

Ihr dort sagten sie, ihr sogenannte Belegschaft, ihr wißt doch recht gut, daß ich von heute ab euren bisherigen Vorgeseta- ten Schilling ersetze. Es war höchste Zeit. Ihr habt bei Schilling viel zu gute Tage gehabt.

Während eure Verwandten eine ganz andere Behandlung genos- sen ich brauche euch nicht zu sagen, was für eine wurdet ihr von Schilling verwöhnt. Dieser Zustand nimmt von heute ab ein Ende.

Brigola stand unbeweglich. Seine Augen glitzerten. Sie fühlten sich verstanden.

Ihr habt wohl gedacht fuhr sein Blick zu verkünden fort, daß dieses Leben immer so weitergehen wird. Glaubt mir, es ist nicht immer wünschenswert, zu leben. Ich habe jene Juden für besonders klug gehalten, die sich rechtzeitig, solange sie noch etwas Geld besaßen, den Gnadenschuß kauften. Aber macht euch hier keine Hoffnungen! Hier werden keine Gnadenschüsse verab reicht!

Brigola, mit Besitzermiene, blickte im Kreise umher. Die Ge- sichtszüge der Arbeiterschaft waren zu Eisklumpen erstarrt. Der neue Betriebsleiter weidete sich an der Wirkung seines Schwei- gens.

Laut sagte er ein einziges Wort. Er sprach es kurz und mit mili- tärischer Betonung aus.

Abtreten! sagte er.