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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Aber nach dem kläglichen Begräbnis, dem kaum zwei Dutzend Menschen beigewohnt hatten, ging alles weiter, als ob nichts ge- schehen wäre. Die Belegschaft arbeitete einander mit Lust und Fifer in die Hände. Jeder suchte den anderen an Raschheit und Sicherheit der Bewegungen zu überbieten. Man mußte glauben, daß jeder Gedanke auf diese Tätigkeit eingestellt war.

Und in den klaren Mächten saß man vor den Häusern, lehnle sich zurück und betrachtete die Sterne. Wenn die Nachtluft kühlte, war man schon beinahe wunschlos. Man streckte sich aus, lächelte selig und freute sich auf den Schlaf.

Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, immer wiederholte sich der gestrige Tag. Die Menschen arbeiteten und wußten kaum mehr, daß sie Gefangene waren. Mit jedem Tag wurde ihr Dasein mehr zur Gewohnheit.

Martha fand diese Haltung unerträglich. Wozu hatten Millionen gelitten! Wozu war Gertrud gestorben! Durch die eigene Er- niedrigung schändete man die Toten.

Martha begann ihre Mitarbeiter zu hassen. Wie sie ihnen die Buhe mißgönnte! Man merkte deutlich, daß ihre Seelen vom täg- lichen Gleichmaß vergiftet waren.

Gab es nichts, was dieses Gleichmaß zu zertrümmern geeignet ward Fin Entsetzen mußte über sie kommen, das sie aufrüttelte. Ein Schreck mußte sie aus ihrer Lethargie lösen. Man mußte sie treten, damit sie lebendig wurden. Man mußzte sie quälen, damit die Belegschaft sich in das zurückverwandelte, was sie früher ge- wesen war: eine Gemeinschaft von Unterdrückten.

Re volte