aufgehört. Sie konnte nichts Besseres tun, als rasch und ohne viel Umstãnde sterben.
Jan, dem Arzt bis an die Tür folgend, fragte keuchend nach den Möglichkeiten einer Morphiuminjektion.
Der Arzt lachte. Besaßen einheimische Irzte Morphium? Fs mußte von den Deutschen angefordert werden. Niemals würde von ihnen für eine Jüdin Morphium pewilligt werden.
Jan gab es nicht auf. Man hatte ihm so lange vorgesagt, daß er peim Betriebsleiter mehr erreichen könne als andere, bis er es selber glaubte.
Jetzt sollté es sich zeigen, was an dieser Annahme Wahres war. Beim Abendappell trat er plötzlich vor. Schilling blickte zornig und verblüfft. Alle wußten, daß kein Jude Wünsche und Be- schwerden vorbringen durfte. Der Appell diente lediglich zur Kontrolle der pünktlichen. Einhaltung der Arbeitszeit und der Verlautharung von Befehlen.
Jan peachtete den unheilverkündenden Blick des Vorgesetaten nicht. Aber alle anderen peachteten ihn. Die in Reih und Glied stehenden dreihundertachtzig erschraken. Sie verwünschten Jans Ubereifer. Ihr vereinigter Wille zerrte an Jan. Beinahe hätte er ihn zurückgerissen. So heftig wollten sie alle, daß Jan schwieg, obwohl alle wußten, was er sagen wollte.
Jan ergriff dennoch das Wort. Mit gesenktem Kopf und demũ- tiger Stimme bat er, die Verletzte ins Krankenhaus zu schicken. Die Belegschaft würde den Dank für diese Gnade durch Mehr- arbeit abzustatten versuchen. 5
Schillings Befremden stieg. Hatte eine Methode der Aneiferung zur Arbeit durch gute Behandlung dahin geführt⸗ daß Juden eine Art Rebellion versuchen durften? Er preßte die Lippen zu- sammen und warf Jan einen wütenden Blick zu.
Die Belegschaft, wiewohl äußerlich unbeweglich, wand sich in Angst. Sie hatte einen einzigen Wunsch: daß Jan zurücktrat und Schillings Zorn verrauchte.
Dieser war entschlossen zu handeln.
„Wo ist die Verunglückted“ fragte er beherrscht.
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