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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Selbst Imre, der am wenigsten innere Religion besaß, berührte das Flugblatt mit andãchtigen Fingern.

Als sie aber die Zettel verwahrlen, empfanden alle drei leise Zweifel. Es lag nicht an den Blättern. die erwartete Wirkung aus- zuüben. Sie hatten alles, was ihnen nötig war. Es lag an den Empfängern. Wer nicht lesen wollte, wie konnte er zum Lesen ge- zwungen werden! NMiemand konnte einen hören machen, der seine Ohren verschloß.

Juden hatten allzu viele Botschaften empfangen, beginnend mit der steinernen vom Berge Sinai . Mochten sich diese Botschaften auch erfüllt haben, ja mochten sie als göttliche Botschaften ewige Wahrheit besitzen, was nützte den Juden diese Wahrheit, wenn sie aufgehört hatten, sie zu verstehen?

Juden waren so alt geworden, daß sie auch ewige Wahrheiten überlebten. Was mit ihnen überlebte, war gegenüber allen, woher immer kommenden Botschaften Mißtrauen, Zweifel und grenzen- lose Vorsicht.

In wenigen Tagen hatten die Flugzettel die Runde gemacht. Wer zitterte nicht, wenn er sie ansah oder berührte! Noch heftiger wurde man erschüttert, wenn man den Text las. Er war wirklich wie ein Ruf, der für alle gleich verheißend tönte. Aber seine Wahrheit konnte nicht für jeden die gleiche sein.

Kluge Leute waren bemüht, ihren Freunden diesen Grundsatz ein- zuprägen: wenn man las, so mußte man richtig lesen. Eine unge- nau gelesene und nicht völlig erfaßte Botschaft war weniger als eine halbe Botschaft. Es war unwahrscheinlich, daß die Men- schen, von denen die Flugzettel ausgesendet worden waren, an die Juden in den Arbeitslagern gedacht hatten. Nein, diese Aufforde- rung zur Sabotage erging an andere, die nicht schon im voraus zum Tode verurteilt worden waren.

Die Juden aber empfingen, ob es an sie direkt gerichtet war oder nicht, ein Lebenszeichen. Und sie hatten dieses Lebenszei- chen bitter nötig.

Hielt man somit die Flugzettel in der Judenstadt auch nicht für eine Mahnung, etwas zu unternehmen, so petrachtete man sie doch als Manifestation von seiten jener Macht, von der Befreiung

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