hen oder dichten Karrees. Man konnte ihnen so wenig ent- gehen wie den Brandruinen und Galgen. Wie viele unserer Kameraden, wie viele Regimenter, nein Pivisionen, lagen schon unter der russischen Erde? Und wieviel würden ihnen noch folgen?
Diese Frage drãngte sich jedem Hinzelnen von uns auf; sie wurde zu einem Albdruck, als wir knapp vor Glubokaja ⁊wei Stunden aufgehalten wurden, um eine Ambulanzkolonne von der Front passieren zu lassen. Wenn die schier endlose Reihe der Wagen mit dem roten Kreuz für eine kurze Weile ins Stocken geriet, erhob sich über dem abebbenden Motorenlãrm ein dumpfes, verworrenes Stõhnen, das die Luft mit einer beklemmenden Schwüle zu erfüllen schien.
Wãhrend einer dieser Stockungen wurde ich aus dem uns zunächst haltenden Ambulanzwagen angerufen. Ne- ben dem Fahrer saß ein weiſhaariger Mann mit irren roten Augen in einem eingefallenen Gesicht. Die blut- und lehm - beschmutzte Uniform schlotterte um seinen Körper.
Kennst du mich denn nicht mehr, Holler?» fragte er. Seine Stimme klang hohl, als komme sie aus einem Keller- gewölbe.
Ich z0g verneinend die Achseln hoch. Und ich wieder- holte fassungslos diese Bewegung auch dann noch, als er mir seinen Namen genannt hatte und als ich nicht mehr daran zweifeln konnte, daß dieses Häufchen Elend— Un- teroffier Marofke war, Marofke mit dem üppigen Bauch und dem plũhenden Birnenschädel.
¶Ja, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sichv, meinte er mit einem verzerrten Grinsen, dcaber warte nur, Freundchen, bis du selber ausgekostet hast, was Stalingrad heißt... quasi eine Zerkleinerungsmaschine, jawohl. v Ma- rofkes Unterkiefer sackte plõtzlich ab. Der ganze Körper wurde von einem krampfhaften Zittern geschüttelt. aIch bin kaputt, Hollerꝰ, krächzte er. Die Tränen liefen ihm ũber die mit weißen Stoppeln bedeckten Wangen; er weinte
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