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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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haltlos wie ein Kind, awir alle werden zermahlen in dieser Fleischmaschine.v

Der Fahrer neben ihm gab mir mit den Augen einen Wink und tippte sich an die Stirn. Marofke Sah das, Sank erschreckt und hilflos zusammen. Indem setzten sich die Wagen weiter vorn von neuem in Bewegung. Der Fahrer gab Gas. Marofke fuhr auf und beugte sich noch einmal heraus.

Holler lv rief er, Holler lv Der Wind riß ihm die Worte vom Mund, und das Motorengebrũll ratterte ũber sie hin- weg.

Da rollte er davon, zerbrochen, zermalmt. Wohin? In ein Lazarett? In ein Irrenhaus? Auf einen Soldatenfried- hof?

Ich starrte ihm verstõrt nach. Jemand berũhrte mich an der Schulter. Es war Reichardt. Sein vierkantiges Bauern- gesicht hatte die gleiche kalkige Starre wie damals im Zug. Er machte eine vage Kopfbewegung nach dem entschwin- denden Ambulanzwagen hin und flüsterte: Klar. Alles muß hier kaputt gehen. In die Heimat kehrt keiner mehr s0 zurück, wie er sie verlassen hat. Und die Heimat selbst Da höre ich von zu Hause, daß unser Dorf schon ganz ausgekãmmt ist. Kein Vich, keine Vorrãte, das Werkzeug heruntergewirtschaftet, die Kleider in Lumpen, und nichts Neues zu kaufen. Und die Mãnner fast alle schon tot. Mein Stiefbruder auch, dabei sagte der immer:, Wenn's alle er- wischt, mich erwischt's nicht! Hin ist er. Und die Mãdel müssen alle in die Fabrik. Meine Tochter Lotte schreibt mir: Es ist doch nicht mõglich, daß eine Welt so sein soll. Wer braucht eine solche Welt? Ich wünsche mir direkt einen Fliegeralarm, aber 80, daß ich früh nicht mehr da wãre. Dabei wird sie zu Ostern erst achtzehn. v Seine Stim- me ertrank in einem heiseren Schluchzen.

Ich redete ihm zu, sich zusammenzureißen, es werde

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