Druckschrift 
Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
392
Einzelbild herunterladen

letzte Ferkel wurde aus dem Stall geholt, und wenn eine Bãuerin zu schr jammerte, dann kriegte sie eins mit dem Kolben über den Kopf, weil wir das nicht ertragen konn- ten... Ja, die Scheuklappen der Gewöhnung hielten nicht immer dicht. Wir hatten kein Herz mehr; der Anblick ver- wesender Leichen und gebrandschatzter Siedlungen war uns zu etwas Alltäglichem geworden; aber das Jammern einer verzweifelten Bãuerin ging uns auf die verlorenen Nerven. Besonders Haddenhorst war da empfindlich, be- sonders er, und dann sein Liebling, ein finniger Stabsge- freiter, dessen Name mir entfallen ist. Die beiden haben un- zählige Morde auf dem Gewissen. Aber sie sind nicht die einzigen Schuldigen. Und wenn nach dem Krieg Gericht gehalten wird, dann gehören nicht nur die hohen und nie- drigen Mordbrenner, die Hitler und Haddenhorst auf die Anklagebank, sondern auch die Hollers. Hõren Sie, Schwe- ster Marussja, auch die Hollers.

Ja, auch ich bin schuldig.

Auch ich.

Pafür, daß ich so viele Schurkereien schweigend mitan- schen konnte. Dafür, daß ich mich von den Finkãufen mit dem Revolver nicht fernhielt. Dafür, daß ich mitging in das verfluchte Militãrbordell in Sytschewka, wo sie die Wei- ber an die Betten geschnallt hatten, Frauen und halbe Kin- der, so wie sie eben auf dem Markt zusammengefangen worden waren. Und dafũr, daß ich Nein sagte, als Rei- chardt mir das Flugblatt zu lesen gab, worin der Weg in die Gefangenschaft, der einfachste anständige Ausweg, be- schrieben war. Und daß ich hündisch ergeben grinste, als mir von dem plõtzlich bei unserem Transport aufgetauch- ten Pietz erõffnet wurde, er kõnne meine Versetzung zu dem SS.Streifkommando bewerkstelligen, bei dem er es bereits zum Rottenführer gebracht hatte.

Es kam nicht so weit.

396