in der Hitlerarmee planmäßig betrieben. Die Menschen werden dadurch võllig ausgehöhlt, daß sie nur noch taube Schalen sind. So ging es auch uns.
Aber es war nicht nur das, Schwester Marussja. Nicht genug damit, daß wir selbst innerlich abgestorben waren, lebende Leichname sozusagen; nein, nicht genug damit: von uns ging ein Pesthauch aus. Die Wehrmacht , Hitler- deutschland, jeder einzelne deutsche Soldat hinterließ eine Todesspur! Das wurde mir zur schrecklichen Gewißheit, als unsere Truppe in der Vkraine auswaggoniert wurde und den Weg zur Front auf Lastwagen und zu Fuß fortsetzte.
Wie sah das Land aus! Verwüstete, ausgeplünderte Stãdte, dem Boden gleichgemachte Dörfer, entvõlkerte Be- zirke. Uberall Tote, niedergemetzelte Einwohner, an Weg- weisern Aufgeknüpfte, in Sandgruben und auf Porfplãtzen reihenweise Erschossene, in Kirchen, Schulen und Ge- meindehãusern Verbrannte. Haufen von Toten. Das Auge konnte ihnen nicht ausweichen, die Nase konnte ihnen nicht entflichen. Sie stanken zum Himmel. Die Erde war Schwarz von ihrem Blut.
Und die verelendeten Menschenmassen beim Bau von Militãrstraßen! Die langen Züge erschõpfter Frauen, halb- wüchsiger Burschen, ganz junger Mädchen, die nach dem Westen, zur Arbeit im Reich getrieben wurden. Die Wach- mannschaften mit den Hühnern am Koppel, mit den zum Bersten vollgestopften Rucksãcken; benebelt vom Schnaps oder auch nur vom Leichen- und Brandgeruch; immer be- reit, einen zusammengebrochenen Gefangenen fertigzu- machen, wenn er nicht durch Bajonettstiche, hochzukit- zeln' war.
Und wir selbst stãndig auf Requirierung aus. Mit dem Revolver einkaufenv, nannte es der Führer unseres Trans- ports, Oberfeldwebel Haddenhorst, im Zivilberuf Redak- teur einer Berliner Tierschutz-Zeitung. Die letzte Kuh, das
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