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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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und fanatischem Willen gibt's also gar nicht. Und Nichts- bemerkthaben ist keine Entschuldigung. Kapiert?

(Jawohl, Hert Sturmführer.

(Na, dann ist ja gut. v Er machte eine Pause. Hin hämi- Sches Feixen zog sein ohnehin breites Gesicht noch mehr auseinander. aSic werden übrigens Gelegenheit haben, Ihre schönen Vorsätze vor dem Feind unter Beweis zu stellen... Sie sind felddienstfähig geschrieben... Weg-

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Ich verließ die Wachstube in einem Zustand, den ich heute nur noch schwer zu beschreiben vermag. Fine klin- gende Leere war in mir; sie wuchs, sie schwoll. Es schien mir, als habe ich den Boden unter den Füßen, zugleich aber auch mein eigenes Gewicht verloren.

Wie es einem oft vor einer Abreise, von der es keine Rückkehr gibt, vor einer großen Veränderung ergeht, prägten sich mir kleine Beobachtungen unverlierbar ein.

Auf dem Hof strich ein alter Sanitäter den Opferstock der Winterhilfe an; mit grellgelber Farbe, der Teufel allein mochte wissen, warum. Aus einem geõffneten Fenster des Verwaltungsgebãudes kamen Flügelhorntöne. Jemand blies ungeschickt die ersten drei Noten der Tonleiter, immer wieder von neuem: c-d-e, c-d-e. Im Treppen- haus der Allgemeinen Chirurgie roch es nach Karbol, Vrin und angebrannter Bohnensuppe. Die mittlere Lampe auf unserem Korridor war zerbrochen; der Wasserhahn tropfte. Alles war noch Gegenwart, und doch schon ver- gangen.

Später einmal, so nahm ich mir vor, würde ich ein Ge- dicht über die Wasserhähne schreiben, die fortfuhren zu tropfen, auch wenn die Welt in Scherben ging, aber wahr- scheinlich würde ich gar nicht mehr dazu kommen, Ge- dichte zu schreiben.

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