Mit einem Schritt war er bei der Kartothek, zog ein Fach heraus und entnahm ihm einige zusammengeklam- merte Karten, die er brummend überflog: aStimmt schon, gute Familie.. Vormund und drei Brůder alte Kãmpfer der Bewegung... zwei von ihnen auf dem Felde der Ehre Schwester allerdings võllig aus der Art geschlagen und verkommen, staatsgefãhrliches Subjekt...»
Der Schwarze ließ die Karten sinken und trat mit vor- gerecktem Boxerkinn dicht auf mich zu. Sein nach Zwiebel stinkender Atem schlug mir ins Gesicht. Ich biß die Zähne zusammen, hielt die Luft zurück und ertrug seinen bohren- den Blick. Er tippte mir an die Brust. Wenn man so ein wurmstichiges Glied in der Familie hat, muß man doppelt aut᷑ sich selber aufpassen, junger Mann! Ich habe hier einen Bericht aus Ihrem Kameradenkreis...» Er schielte noch- mals auf eine der Karten. Ich glaubte, den Namen Dietz darauf zu erkennen, doch da fuhr der Sturmführer schon fort: a, also, da wird berichtet, daß Sie oftmals an Hu- manitãtsdusel leiden. Das hat natürlich aufzuhören! In dieser eisenharten Zeit müssen wir selbst eisenhart sein. Nacken steif halten und durch den schwärzesten Tunnel marschieren, egal, ob's einen Ausgang gibt oder nicht. Das ist die Parole. Die wahre Treue zum Führer beginnt erst, wenn man nicht weiß, wohin der Weg geht, wohlge- merkt! Und noch eins: heutzutage hat jeder Pg. neben sei- nen andern Pflichten auch noch die Aufgabe, Augen und Ohren offen zu halten, damit er die zuständigen Stellen rechtzeitig auf versteckte Gefahrenherde aufmerksam ma- chen kann. Wir müssen unnachsichtlich sein. Auch auf das Risiko hin, mal dem einen oder andern Unschuldigen menschlich wehe zu tun und eventuell bei vielen Wohl- meinenden als unbeherrschte Rohlinge verschrien zu wer- den. Wenn wir nãmlich den Kürzeren zichen, weil wir zu objektiv waren, wird man uns trotzdem keine mildernden Umstãnde zubilligen. Ein Zuviel an Hinsatzbereitschaft
381


