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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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stisch über sein Schicksal rãsonierte. Uber sein Schicksal, das egalweg nicht wollte, daß der Chabrunsche Mannes- stamm fortgesetzt werde, was aber im Grunde totalement schnuppe war, weil man sich, im Vertrauen gesagt, doch nur als glũhende Schlacke fühlte; ah ja, und die alte Dame wußte natürlich von gar nichts, nom de Dieu; der würde schwarz vor den Augen, wenn sie ihren Joachim in der Gesellschaft von solchen Mädchen wie Hulda und Gerda sah; und erst ein Kind von einer Gutsmamsell der Grafen Pfuhl, oder hießen sie Platen, nun einerlei, die alte Dame kõnnte es auf keinen Fall verwinden...

Ich spürte Frau von Chabruns fragenden Blick auf mich gerichtet. Das ist nicht ganz einfach, sagte ich zõgernd. Ich war völlig im unklaren, was zu tun. Durfte ich denn etwas preisgeben, was Joachim absichtlich vor seiner Mut- ter verborgen hatte? Aber sie kannte das Geheimnis im Grunde schon. Und für das Kind konnte es nur von Nut- zen sein oder vielleicht nicht?

Frau von Chabrun wandte den Blick von mir ab. Sie hob das Monokel, hielt es gegen das Licht und betrachtete es ge- Spannt.«Schen Sie, Herr Hollerv, sie holte tief, wie er- schöpft, Atem, fuhr aber dann in hastigem Ton fort, anoch vor kurzem hãtte ich mit dieser Angelegenheit nichts zu tun haben wollen, nichts von diesem Kind wissen wollen. Aber ich habe mit Joachim zu viel verloren, um auf ein noch so zweifelhaftes Andenken verzichten zu können. Ich habe zu viel verloren. Nicht allein den einzigen Sohn, son- dern auch das Bild, das ich von ihm hatte, die ganze Vor- stellung von seinem Denken und Handeln.

Wieder richtete Frau von Chabrun ihren Blick auf mich, noch prũfender als zuvor. Dann streckte sie in einem plõtz- lichen Entschluß die Hand nach dem Notizbuch aus. War- um soll ich nicht zu Ihnen davon sprechen? Warum sollen Sie nicht erfahren, was er zuletzt gedacht hat? Sie sind ihm

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