Frau von Chabrun schenkte ein. Auf Joachims Anden- ken l* Sie trank, wie er getrunken hatte: mit salopper Ele- ganz, auf einen Zug.«So. Und nun, wenn es Ihnen recht ist, möchte ich Ihnen etwas zeigen. v
In dem weißgepolsterten Kästchen, dessen Deckel Frau von Chabrun hochgehoben hatte, lag Joachims abgegriffe- nes Notizbuch wie ein prächtig aufgebahrtes Armeleute- kind.
Frau von Chabrun faßte das Buch mit spitzen Fingern, unendlich zart, und schlug es auf. Ich bemerkte, daß eine dunkle, längst eingetrocknete Flũssigkeit den Leinenband und die Mehrzahl der Sciten durchtränkt und zu einer fe- sten, bräunlichen Masse zusammengebacken hatte.
War das Blut, sein Blut? Ich blickte weg.
Da sagte Frau von Chabrun mit ihrer ruhigen, leicht be- legten Stimme: Der Oberst hat mir geschrieben, daß Jo- achims Notizbuch aus einem verschlammten Granattrich- ter gefischt wurde, als die Sanitäter nach Bergung des Leichnams auch Helm und Pistole herausholen wollten. Wie Sie schen, sind nur wenige Seiten soweit unverschrt geblieben, daß man die Schrift darauf noch entziffern kann. Durch einen skurrilen, oder wenn sie wollen, wunderbaren Zufall, findet sich gerade auf einer von diesen Seiten Ihr Name, Herr Holler. Noch dazu im Zusammenhang mit einer Angelegenheit, die— in meiner heutigen Lage— für mich von grõßter Wichtigkeit ist und in die wahrscheinlich nur Sie einiges Licht bringen kõnnen. Hier ist die Stelle lv
Mein Name wurde erwãhnt! Was mochte Joachim über mich geschrieben haben? Mir wurde der Uniformkragen zu eng.
Frau von Chabrun hatte unterdessen ein Monokel, das an einer dünnen Goldkette hing, aus der Brusttasche ihres
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