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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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ladung eingenistet hatte, meldete sich verstãrkt; es brannte wie ein Nesselausschlag.

Jetzt erst brach die Dame ihr Schweigen. cIch danke Ihnen für Ihr Kommen, Herr Hollerꝰ, sagte sie mit einer tiefen Stimme, classen Sie mich zunächst ein offenbares Mißverstãndnis aufklären. Ich bin nicht Frau von Egloff- stein, ich habe nur für die Dauer meines Prager Aufent- haltes die Gastfreundschaft der Egloffsteins in Anspruch genommen. Aber zur Sache. Ich bin...

Noch bevor sie ihren Namen nannte, wußte ich, wer sie war: erkannte ich die dunkle Stimme, das scharfgeschnit- tene Profil, die schmalen Hände. Nur mit halbem Ohr hörte ich auf das, was sie weiter Sagte: daß sie seine Mutter, Chabruns Mutter sei.

Doch was war das d Warum stockte sie jetzt? Warum schlug sie, als müsse sie sich sammeln, die Augen nieder? Warum sprach sie von ihrem Sohn so, als ob... Fine Ahnung durchzuckte mich. Verstört starrte ich Frau von Chabrun an.

Sie nickte, wies auf ihren Krmel.

Ich hatte den Trauerflor daran bisher nicht bemerkt. Er ist doch nicht... v stieß ich hervor, Chabrun, Joachim ist doch nicht... d»

Sie nickte wieder. Ihre Stimme war leicht belegt, sonst aber ruhig wie zuvor, als sie mir erklärte: Joachim ist ge- fallen. Vor zwei Wochen. In der Kubansteppe. Ich habe die Nachricht ausnahrmsweise so früh erhalten, weil sein Oberst mit meinem verstorbenen Gatten zusammen auf der Kadettenanstalt war. Auch Joachims letzte Aufzeich- nungen sind mir zugekommen. v Sie zeigte auf das Käst- chen. Deswegen wollte ich mit Ihnen sprechen, Herr Hol- ler. Aber, einen Augenblick lv Sie schellte.

Das Dienstmädchen kam und brachte ein Tablett mit Gläsern und einer Flasche Chartreuse.

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