verzierungen aus gekreuzten Kavalleriesãbeln und Haffter- pistolen. Ja, sie mußten das ganze Zeug geradenwegs aus dem Herrenhaus in Pillkallen hierhergebtacht haben, zu- sammen mit dem herben ostelbischen Parfüm von Pfeifen- tabak, Juchtenfett und Aktenstaub.
Der Gedanke daran, was Schwester Gertrud wohl dar- um geben würde, an meiner Stelle hier zu sein, ließ mich auflachen. Da hörte ich, wie hinter mir eine Portiere zu- rũckgeschlagen wurde. Ich griff in aller Hile nach den Krücken, die ich an die Wand gelehnt hatte, und drehte mich um.
Eine lange, hagere Dame stand im Zimmer. Sie trug eine Art Jagdkostüm aus derbem flaschengrünem Stoff, wozu eine graue Tüllbluse mit hohem Fischbeinkragen nicht recht passen wollte. Ihre Bewegungen waren eckig und schienen bisweilen unkontrolliert, wie im Schlaf. Sie mochte eine Sechzigerin sein, aber vielleicht war sie auch zehn oder fünfzchn Jahre älter. Ihr dunkles Gesicht hatte viele Falten und Sprünge, wirkte aber trotzdem nicht ver- wittert, wahrscheinlich weil die Augen ein starkes, unruhi- ges Feuer ausstrõmten. Ich wußte, daß ich sie noch nie ge⸗ schen hatte, und doch kam sie mir eigentũmlich bekannt vor. Der Gesamteindruck war verwirrend, ohne daß ich den genauen Grund dafũr herauszufinden vermochte.
Ganz von selbst fuhren meine Hände an die Hosennaht, klappten meine Hacken zusammen. Frau von Egloffstein ꝰv
Die Dame hatte meinen Gruß durch ein stummes Kopf- neigen peantwortet. Nun trat sie an eines der Fenster und zog die Jalousie in die Hõhe. Parauf ging sie zum Mittel- tisch, setzte sich(wobei sie mir zuwinkte, ihr gegenüber Platz zu nehmen) und legte ein schwarzes Kästchen von antikem Aussehen, das sie bisher unter dem Arm gehalten hatte, vor sich hin.
Ich folgte ihrem Wink. Das Gefühl der Unsicherheit und Verblüffung, das sich in mir schon beim EHmpfang der Ein-
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