Druckschrift 
Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
363
Einzelbild herunterladen

weiterhin schweigend mittun d Aber das ist es ja eben: den Weg vom Denken zum Umdenken kann man heimlich gehen, in seinem Innern; den weiteren Schritt, zum Han- deln, muß man außerhalb seiner selbst tun, und dazu fehlt vielen die Kraft. Mir fehlt sie jedenfalls. Bei dir ist es etwas anderes, Maurer. Du kommst aus einem Milieu, in dem der Entschluß zur Auflehnung natürlich ist. Dir wurde der Mut dazu sozusagen mit der Muttermilch eingeflõßt, oder du bist ihm zumindest von Jugend auf bei deinen Leuten begegnet. Und auch bei Barbara ist es etwas anderes. Weil sie sich nämlich geweigert hat, den ersten Schritt in die höllische Tretmühle zu tun. Aber wer einmal drin ist wie ich, der muß mitstampfen oder er wird zerstampft. Und was ist schließlich damit vollbracht, daß man aus der Reihe tanzt wie Barbara? Was ist schon damit erreicht, daß sie jetzt im Zuchthaus sitztd Ja, ja, gewiß, ich weiß, man geht unaufhaltsam zugrunde, wenn man sich nicht aufrafft. Und doch, warum soll gerade ich den Anfang machen? Warum Soll gerade ich ein Beispiel geben? Gestorben ist gestorben, und wenn's für die schönste Freiheit ist. Nein, nein, nein. Ah, verdammt, was ist das?v

Ich kam auf.

Jemand rüttelte mich. Das Licht einer schirmlosen Glüh- birne fiel gerade auf mein Gesicht. Grüne und orangene Kreise wirbelten mir vor den Augen. Was istꝰv

Sadowski nahm die Hand von meiner Schulter und Sagte: Menschenskind, dir haben sie wohl heute eine dop- pelte Spritze gegeben? So zu brüllen! Ich hab schon ge- glaubt, ich kriege dich überhaupt nicht mehr wach. v Er setzte sich auf den Schemel neben meinem Bett, gähnte verschlafen, rieb mit dem Handrũcken über seine stoppeli- gen Wangen. Wo ist eigentlich der Klobo? Hast du'ne Ahnung, wo der Kerl steckt? Er soll in die Kanzlei kom- men. Sie haben schon zweimal nach ihm geschickt.

363