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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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¶Obers chütze Hans Holler wird ersucht, sich heute nach- mittags, 4 Uhr 30, bei Frau von Egloffstein, Unter den Kastanien Nr. 87, einzufinden.

Ich drehte das Telephonogramm, das mir zugleich mit einer Ausgangserlaubnis von Schwester Gertrud, der fisch- äugigen Ostpreußin, gebracht worden war, verwundert hin und her. Wer war Frau von Egloffstein? Was sollte ich bei ihr?

(Na, machen Sie sich nur gleich fertig, Hollerchenv, zwitscherte der Korporalsstock mit einer võllig verzucker- ten Stimme und blinzelte mich dabei kokett-unterkietig an. Sie sind also mit den Egloffsteins bekannt? Ich kenn sie nãmlich auch. Freilich wird die Frau Baronin sich kaum an mich erinnern. Ich war von vierunddreißig bis siebenund- dreißig jeden Sommer bei meinem Onkel, Oberförster Stopfhuchen, in Pillkallen, wo die Egloffsteins begütert sind. Was für ein vornehmer Mann, der Freiherr! Ich hatte schon gelesen, daß er jetzt hier, auf dem Protektoratsamt, tãtig ist... Nein, aber so was! Da kennen Sie sicher auch die beiden Komtessen und den jungen Freiherrn, der jetzt im Auswärtigen Dienst sein soll? Ach, eine interessante Familie! Darüber mũssen wir uns einmal ausführlich un- terhalten. Aber jetzt machen Sie sich fertig, Kindchen. Wo haben Sie ihre Ausgangsuniform? Geben Sie die Hosen her, ich will sie Ihnen aufbügeln. Inzwischen können Sie sich anderweitig verschönen.v

Kaum hatte sich die Türe hinter Schwester Gertrud ge- schlossen, als Klobocznik mir das Telephonogramm aus der Hand riß. Mensch, da muß ja was ganz Besonderes drinstehen, wenn dir dieses Aas plötzlich mit der süßen Tour kommt. Laß mal schen!

Mit gerunzelter Stirn studierte er den Text.

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