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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Eine Weile verstrich in Stille.

Ich fragte schließlich, was er noch hatte sagen wollen.

Klobocznik zerknüllte eine Zigarette, die er sich eben erst angezündet hatte. Ach, nichts. Die ganze Welt kann mich am Arsch lecken 1* Er drehte mir den Rücken, ging zur Türe.

Wstenkollerv, fuhr es mir durch den Kopf, während ich dem verwehenden Schall seiner über den Kachelboden des Korridors hinschlurfenden Strohpantoffeln nachlauschte.

Der Abend war voll hereingebrochen. Vom Fenster her kam eine kũhle Schwade. Ich zog die Decke ũber mich und schloß die Augen. Das Wohlgefühl der Minute vor dem Rinschlafen umfing mich wie ein warmes Bad.

Indem wurde ich aufgestõrt. Und du?v hörte ich eine Stimme in mir,«wie steht es um dich? Kotzt dich nicht auch schon alles an? Dieses Warten(worauf eigentlich ²), dieses Herumkommandiertwerden, dieses gedankenlose Parieren, dieses Ausharren bei einer verruchten und ver- ratzten Sache d Ich wußte, daß es eine Halluzination war, aber ich mußte trotzdem weiter zuhören. Warum wagst du nichts, wo doch andere so viel wagen? Andere, Schwä- chere, sogar Frauen, deine Schwester zum Beispiellv

Es war die Stimme von Maurer, jetzt erkannte ich sie. Ich wollte mich verkriechen, aufwachen, der Stimme ir- gendwie ausweichen, allein dann tat ich doch nichts der- gleichen. Nach ein paar Minuten begann ich sogar zu ant- worten, mit Maurer zu dis kutieren,= stolz darauf, daß Bar- bara etwas getan hatte, was seinen Beifall finden und also auch mich in seinen Augen höher setzen mußte, aber zu- gleich geschüttelt von dem erbãrmlichen Angstwunsch, in Ruhe, nur in Ruhe gelassen zu werden.

Gewißv sagte ich, gewiß, wie kann man als denkender Mensch noch an ein gutes Kriegsende für Deutschland glauben? Und wie kann man, obwohl man das weiß, auch

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