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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Aber kaum hatte ich zum Sprechen angesetzt, als sie mich noch einmal zurũckhielt. Mein Gott, dir fehlen ja gleich zwei Knõpfe! Und wie steht's mit deinen Socken? Wenn ich schon hier bin, kann ich gleich mal nach dem Rechten schen, du hast doch ein Nähzeug, nicht wahr, Kindꝰ

Den Kopf über die Flickarbeit gebeugt, Saß Mutter dann da, ganz wie daheim an ihrem Nähtischchen, wãhrend ich von meinem Fisenbahnunfall berichtete, vom Leben im Krankenhaus und von den Verãnderungen, die sich in der Zwischenzeit bei meinem Bataillon zugetragen hatten.

Von Zeit zu Zeit aufblickend, schob sie die weit vorge- rutschte Brille zurück, nickte aufmunternd oder tat eine schnelle Zwischenfrage. Doch erst ganz zum Schluß sprach sie aus, woran sie schon vom Anfang an gedacht haben mußte: Was glaubst du, wie lange wirst du hier im Kran- kenhaus noch bleiben können? Und was werden sie denn nachher mit dir machen?»

¶Ja, das wissen die Krzte wohl selber noch nicht, Mutter. Es kann sehr schnell gehen mit der Heilung, hat der Rönt- genmann gestern gesagt, es kann sich aber auch noch eine hübsche Weile hinziehen. Und nachher d» Ich versuchte zu scherzen.«Schließlich ist ja noch Onkel Helmut da. Jetzt, als geschäftsführender Bürgermeister, muß er doch bis ganz hoch hinauf Bezichungen haben.»

(Ach, damit ist es nicht so weit her, leider. Und über- haupt, er wollte ja schon zweimal zurücktreten. Aber das ging nicht. Die Partei erlaubt's nicht. Sie haben auch nie- mand, der das Amt übernehmen mõchte, besonders seit der Geschichte mit den Verlustlisten.v Sie äugte schnell zur Türe hin und senkte die Stimme zum Flüstern. Wir ha- ben dir darũber nicht schreiben kõnnen. Die Sache mußte streng geheim bleiben. Magistratsrat Hanisch ist doch aus dem Fenster gesprungen. Er hat es einfach nicht mehr aus- gehalten. Immerzu waren die Frauen und Mütter von Sol-

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