zögerte einen Augenblick, dann klopfte sie doch darauf. Ja, heutzutage muß eine Mutter noch froh und dankbar sein, wenn sie ihren Sohn auf Krücken trifft. Immer noch besser so, als... v Sie verstummte und senkte die Stirn. Si- cher dachte sie an Kurt und Lutz.
Nein, also daß du die Reise hierher gemacht hastv, rief ich, um sie auf andere Gedanken zu bringen. War's denn nicht schr anstrengend?v
Sie hob den Kopf. Die Augen blickten ruhig, um den Mund huschte jetzt sogar ein halbes Lächeln. Was ist denn Schon groß dabei? Du tust ja gerade so, als ob R... aus der Welt wãre. Und ganz zum alten Eisen gehöre ich auch noch nicht. Nein, nein, ich halte eine Reise schon aus, und bes onders so eine Reise. v Sie streichelte mich, erinnerte sich plõtzlich an etwas, kramte in ihrer Reisetasche herum und fõrderte einen Pappkarton hervor. Da, ein Mitbringsel. Mach's nur gleich auflv
Mutters Augen glänzten, als sie mir zusah, wie ich die Verschnürung lõste und den Karton öffnete. Zum Vor- schein kam ein Gugelhupf, wie ich ihn als Junge zu Ge- burtstagen immer bekommen hatte. Mutter bestand dar- auf, daß ich mir gleich zum Verkosten ein Stück von dem Kuchen abschnitt. Er schmeckte in der Tat nach Geburts- tag. Ich sagte es ihr.
Sie lachte leise. Ach wo, da fehlt viel! Ich wollte wenig- stens paar Rosinen hineintun, aber sie waren einfach nicht aufzutreiben, nicht mal gegen Tabak. Na, pack den Gugel- hupf hübsch wieder in die Schachtel, sonst, wenn er so offen dasteht... aber nein, das kannst du ja doch nicht tun. Mußt deinen Kameraden schon was abgeben, sonst mißgönnen sie dir's noch, und das schlägt zum Schlechten aus. So, und jetzt erzãhl mal, ganz von Anfang an, wie du vom Zug ge- fallen hist. Aus Briefen kann man sich ja doch keine richtige Vorstellung machen. Ach, ist mir damals der Schreck in die Glieder gefahren, als die Nachricht kam. Nun, erzähle lv
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