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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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rutscht hauptsächlich wohl deshalb, weil sich damals so viele verwirrende Vorgãnge auf einmal ereignet hatten. Da war mein Zugsunfall gewesen. Und die Desertion Mau- rers. Und Chabruns strafweise Abkommandierung ins Reld.(Ja, der Umstand, daß ihm als Führer des Begleit- kommandos ein Mann desertiert und ein anderer vom Zug gefallen war, hatte bewirkt, was vorher kein Gesuch zu be- wirken imstande gewesen.) Und die Versetzung von Pietz zur SS. , die übrigens auch irgendwie mit der Sache Mau- rer zusammenzuhängen schien, obschon Gerda sich über die nãheren Umstände nicht aussprechen wollte. Schließ- lich die Verhaftung Marofkes, der bei dem Versuch, sich eine ansteckende Augenkrankheit zu kaufen, und auf᷑ diese Weise der Auskämmung zu entgehen, an einen Lockspit- zel der Gestapo geraten war. Und zu all dem noch ein irr- tũmlich an das Bataillon gelangter und erst im letzten Au- genblick widerrufener Marschbefehl...

Bei einem solchen Tohuwabohu, so hatte Gerda ge- meint, sei es ohne weiteres erklärlich, daß man in der Kom- panickanzlei vergessen habe, den Fall Klobocznik unter die Lupe zu nehmen.

Klobocznik selbst erwãhnte nie etwas, aber ich hatte zu- weilen den Eindruck, als werde er insgeheim von der Angst- vorstellung geplagt, daß die Untersuchung gegen ihn doch noch aufleben kõnne, oder gar unterirdisch bercits vor sich gehe. Dann brach er in ũbertrieben lautes Wehklagen über seine Verwundung aus.

So geschah es auch jetzt.

Schwester Gertruds rauher Eingriff und ihre Bemerkung über den Schũtzengraben hatten offenbar Kloboczniks ge- heime Kngste aufgewühlt. Er begann zu jammern, daß ihm nichts als das Aufhängen übrigbleibe, wenn das durch- schossene Handgelenk nicht bald Vernunft annchme. Denn was fange ein Schankwirt im Berliner Norden mit nur ei-

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