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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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ner Hand an(noch dazu mit der linken), wo doch oft zwei gesunde Flossen nicht ausreichten, um hinter der Theke ge hörig Ordnung zu schaffen.

Der phlegmatische Sadowski, der sich anschickte, die Karten für eine neue Mariagepartie auszuteilen, wurde an- geschrien, er mõge sich zum Teufel scheren. Und als aus dem Radio, das er daraufhin andrehte, ein Kompanie- Kriegsberichter mit hohler Stimme von den beispiellosen Leistungen und Entbehrungen der deutschen Soldaten in der /Teufelsstadt Stalingrad zu sprechen begann, bekam Klobocznik geradezu einen Tobsuchtsanfall. Er schleu- derte seine Pantoffeln gegen den Apparat und verlangte krei- Schend, Sadowski solle dem Kerl das Maul stopfen, oder es setze ein Unglück.

Im übrigen legte sich, wie schon bei frũheren Gelegen- heiten, auch diesmal die Aufregung sehr schnell. Klobocz- nik mußte über sich selbst lachen. Er verg⸗wisserte sich durch einen kurzen Patrouillengang vor dem Zimmer, daß keine Inspektion drohte; kramte dann aus einem Versteck in seinem Strohsack eine Flasche hervor(er wußte sich auch im Krankenhaus immer Schnaps zu verschaffen) und traktierte uns in freigebiger Weise.

Nach ein paar Runden begann Sadowski von seinem Ftablissement' irgendwo im Magdeburgischen zu schwär- men. Er betrieb sommers eine Fluß-Badeanstalt mit Boots- verleih, winters einen Eislaufplatz und das ganze Jahr hin- durch eine wilde Ehe mit seiner Kassiererin Laura. Bei der Schilderung von Lauras Reizen schloß Sadowski die Au- gen, Spitzte schnsüchtig die Lippen und beschrieb mit der heilen Linken einen weiten Kreis:«Und so'n Hinterdeck, Sage ich euch!

Klobocznik hatte für Sadowskis Paradies nur ein Achsel- zucken übrig. Er trãumte von seinem eigenen. Nach dem Kriege wollte er sich einen Bierpalast in Berlin -Gesund- brunnen einrichten: Mit Spiegeln und Marmortischchen

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