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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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schichte, die ich von meinen nachmittäglichen Besuchen in der Orthopãdischen Abteilung zurückbrachte: das Bein ließ sich noch nicht richtig strecken, aber der doppelt ge- brochene Knochen wuchs gerade zusammen; der Rönt- gengefreite war zufrieden, die Oberschwester(eine ehema- lige NSDAP. -Frauenleiterin, der keine Heilung schnell ge- nug gehen konnte) war es weniger, und ihre neue Massage- methode schmerzte meht als die alte, ohne vorlãufig bessere Ergebnisse zu zeitigen.

Als ich mit meinem Bericht zu Ende war, bemerkte Klo- bocznik: Sack Zement! Das wickelt sich ja im Filtempo ab, Junge. Ich sehe dich schon felddienstfãhig und abtrans- portiert, Richtung Rußland . Du weißt, seit der letzten Aus- kämmungs-Verordnung wird das alles klipp-klapp erle- digt, wie geölt. v

Klobocznik seufzte und beklopfte mit scheinheilig be- kümmerter Miene seinen verletzten Arm, dessen Wunde so gar nicht im Eiltempo heilen wollte, sondern immer wieder aufbrach und von frischem zu eitern begann. Dann holte er seinen Rasierspiegel ein leicht abgenütztes Prachtsstũck, harfenförmig, in rosa Emaillerahmen aus der Nachttischlade und unterzog sein Gesicht einer länge- ren Prüfung. Zuerst wurden die Wangen befingert, die nach dem Verschwinden der blühenden Fettpolster in sSchlaffen Falten herunterhingen. Eine Besichtigung des weitaufgesperrten zahnlosen Mundes folgte(das künst- liche Gebiß lag jetzt den größten Teil des Tages über im Wasserglas und wurde nur bei den Mahlzeiten benutzt). Zum Schluß kam der ausgefranste Schnurrbart an die Reihe, dessen gelblich-weiße Greisenfarbe von Klobocznik, wie ich einmal zufãllig entdeckt hatte, mit Hilfe von Was- serstoffsuperoxyd erzeugt wurde.

Nee, neev, schloß er zwischen Ekel und Befriedigung hin- und herschwankend, wãr ja alles schõn und gut, aber wel- ches Weibsbild wird sich mit mir noch abgeben wollen d»

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