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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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die andern siebzig oder achtzig Millionen kalte Füße krie- gen. v

cIch will das nicht hörenv, unterbtach ich ihn schroff, Spürte dabei aber schon die Schwãche und Aussichtslosig- keit meines Einspruchs.«Das führt nur zu Konflikten mit dem Gesetz und bringt einen ins Unglũck.v

Maurer verzog die Lippen, als ob er ausspucken wolle. (Ach, Mensch, wenn du im Recht bist und das Gesetz im Unrecht, und du kuscht trotzdem, dann verdienst du nichts anderes als vor die Hunde zu gehen, s0 oder so.v

Er hielt inne, wie erschõpft. Vielleicht erwartete er auch eine Antwort. Aber ich brachte kein Wort hervor. Mau- rer hatte mich mit meinen eigenen Gedanken geschlagen. Wieder schoß mir das Blut ins Gesicht. Doch Maurer chien nicht darauf᷑ zu achten.

Leise, aber mit einem hämmernden Nachdruck, begann er von neuem: Warum sage ich dir das alles, Hollerd Du hast ja doch nicht Courage genug. Ja, sichst du, das ist der wahre Jammer mit euch: aus lauter Angst, ihr könntet euch beim Rausarbeiten aus dem Sumpf einen Bruch holen, bleibt ihr lieber drinnen stecken. Ich weiß schr gut, du wirst jetzt nicht das tun, was notwendig wäre. Aber du wirst vielleicht anfangen, nachzudenken. Und das ist der erste Schritt. Du bist schließlich kein Dietz.(Für den und seinesgleichen bleibt tatsächlich nur das schwarze Loch übrig.) Und du bist auch kein Chabrun, bei dem die Cou- rage nur dazu reicht, mit Schick in die Grube zu fahren und andere mitfahren zu lassen. Nein, für dich ist noch ein Weg ins Leben offen. Freilich mußt du den selber gehen. Niemand anders kann das für dich tun. Und du selbst wirst dazu nur imstande sein, wenn du erkannt hast, daß es was Größeres gibt als die sogenannten võlkischen Tugenden, die doch nur aufs Strammstehn von der Wiege bis zur Bahre hinauslaufen. Etwas viel Größeres, Holler, nämlich anstãndig und menschenwürdig leben. Wenn man das her-

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