ausgefunden hat, dann findet man auch die Kraft, um sich freizumachen von der Angst vor dem Denken und Han- deln. v
Maurer hatte seine kleine Pfeife aus dem Stiefelschaft ge- zogen. Er klopfte sie bedãchtig aus. Wãhrend er sie stopfte, Sprach er weiter: aIch habe nicht studiert wie du, und ich weiß nicht viel von dem Urich von Hutten, aber eins weiß ich. Er hat verdammt recht gehabt mit seinem Ich hab's gewagt!“ Wagen muß man. Dann tut man das Notwendige rechtzeitig und nicht erst, wenn einem die Breignisse wie Wellen ũber dem Kopf᷑ zusammenschlagen. v Er setzte den Tabak in Brand, stülpte vorsichtig den Pfeifendeckel dar- über.«S0, und jetzt geh ich den Chabrun ablösen.v
In der Tür drehte er sich nochmals um; betrachtete mich eindringlich; zwinkerte und verschwand.
Ich blicb in einer zerrissenen Stimmung zurück. Ich wollte Maurers Reden und meine klägliche Zuhörerrolle vergessen, schnell und völlig vergessen. Aber das ging nicht. Immer wieder kehrten meine Gedanken zu Maurer zurück. Kein Zweifel, er wußte, was ihm von Dietz her drohte. Was würde er nun tun? Denn daß er etwas tun würde, war außer Zweifel.
Eine mit Bangigkeit vermischte Neugierde ergriff mich. Plõtzlich wurde mir klar, daß Maurers Worte nichts ande- res gewesen sein konnten als ein Abschiedsgruß. So offen Sprach nur jemand, der zum Letzten entschlossen war: zur Auflehnung, zur Desertion.
Ich sprang auf, rannte hinaus, ohne Uberlegung, als be- folge ich ein Kommando.
Chabrun! Chabrun lvschrie ich und hastete über die Dã- cher der Waggons zum Tender hin.
Der Wind trieb mir eine Funkengarbe von der Lokomo- tive entgegen. Ich machte halt. Das Herz saß ganz oben in der Kehle. Es war mir, als würde ich plõtzlich nüchtern nach einem schweren Rausch. Was tat ich da? In was
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