wollte ihn warnen. Allein, was war mit einer solchen War- nung schon getan? Er konnte sich ja doch nicht der Unter- suchung entzichen, die ihn nach einer Anzeige von Dietz wohl erwartete. Entzog er sich ihr aber dennoch, und stellte es sich dann heraus, daß meine Warnung ihn dazu veranlaßt hatte, so waren die Folgen für mich unabschbar.
Und was, wenn Maurer wirklich ein gefährliches Ele- ment, ein versteckter Staatsfeind war, oder auch nur ein Tollkopf᷑, der glaubte, gegen den Strom schwimmen zu köõnnen? Hatten dann die Behörden nicht die Pflicht, ihn unschãdlich zu machen? Und mußte ich ihnen dabei nicht behilflich sein? Freilich, was heute noch Verbrechen und Unrecht genannt wurde, konnte morgen schon Recht und Gesetz sein, und was heute richtig und gesetzlich war...
Das Gefühl der saugenden Leere überkam mich so stark, daß mir schwindlig wurde. Was für ein Gestrũpp von ver- wirrenden, bedrohlichen Gedanken! Wenn man sich darin verirrte, konnte das den Kopf kosten. So viel war mir die- ser Maurer nicht wert. Maurer nicht und überhaupt nie- mand. Nein, das Klügste war, abseits bleiben, sich nichts wissen machen. Doch das hieß vielleicht, jemand an den Strick liefern? Jemand, der mir nie etwas Bõses getan hatte und für den ich sogar eine stille Hochachtung empfand, weil er so viel von dem besaß, was erst wirklich einen gu- ten Deutschen ausmachte und was den meisten von uns abging: Geradheit, Festigkeit und Charakterstärke. Ja- wohl, das hieß Maurer an den Strick liefern! Denn Dietz ging über Leichen, und die Gestapo erst recht.
Doch, warum sollte gerade ich für Maurer eintreten? Chabrun zum Beispiel, dem es in jeder Bezichung leichter gefallen wäre, rũhrte keinen Finger für ihn. Im Gegenteil. Alerdings, Chabruns Haltung war von einer Uberzeugung diktiert, auf᷑ der er notfalls gegen Tod und Teufel beharren würde; von einem halsstarrigen Prinzip, und nicht, wie mein Verhalten, von Unentschlossenheit, von Feigheit.
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