Feigheit, das war es, was zutiefst in mir wohnte; was mich jetzt bestimmte; was mich immer schon gelenkt und gebeutelt hatte. Ich sah mich wieder als Junge schreiend von der Straße ins Haus stũrzen und bei Mutter ũber meine Spielgefãhrten Klage führen, die mir meine Murmeln weg- genommen hatten und mich auch noch zu verprũgelndroh- ten. Und ich hörte Mutter sagen:«Man muß Mut haben, Hans, wenn man im Recht ist. Man muß sich wehren, auch wenn man der Schwächere ist. Du kannst dich nicht im- mer unter meiner Schürze verstecken.
Aber Mutter hatte gut reden. Das war es doch: ich wollte mich nicht gegen ein Unrecht wehren, das stärker schien als ich,— damals nicht und auch jetzt nicht.
Ach, das alles war ja blanker Unsinn! Wen bedrohte denn ein Unrecht? Mich doch nicht. Und vielleicht nicht einmal Maurer.
Wenn aber doch?
Wenn aber doch?
Als ich endlich aufblickte, sah ich, daß Maurer noch in der gleichen Haltung dasaß wie vorher— das preite Kinn in die Hãnde geschmiegt, die hellen Augen gleichsam zie- lend zusammengekniffen und auch im Lächeln noch von einem nur schwer ertrãglichen harten Glanz.
Na, ich leg mich jetzt hin und schlafe eine Weilev, sagte ich und wollte aufstehen.
Maurer hielt mich durch eine Geste zurück. aSchlafen, hm, das ist immer das Einfachste. Die Augen zumachen und Fünf gerade sein lassen, was d Er nahm die Hände vom Kinn, beugte sich mir entgegen. Aus seinem Gesicht war das Lächeln wie weggewischt. Er fragte:«Und was hältst du von Deutschland , Hollerdv
Mles andere hãtte ich eher erwartet. Von Deutschland ? Stotterte ich verdutzt. Was ich von Deutschland ... ja, wie kommst du daraufꝰ
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