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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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erdachten Worte und nicht die Verse seines Lieblingsdich- ters: ja, warum? Pas erfuhrst du eben nicht in frohen Ta- gen, daß so ferne dir die Heimat liegt... Armes Herz, du wirst sie nie erfragen, wenn dir nicht ein Traum von ihr genũgt.v Er hatte den glühenden Stengel in der Hand be- halten und verkohlen lassen. Jetzt warf er ihn weg. Mit der ihm eigenen Abruptheit wechselte er Ton und Ge- sprãchstoff.«Um übrigens auf Maurer zurũckzukommen, ich glaube nicht, daß wir noch lange das Vetgnũgen sci- ner Gesellschaft haben werden.v

Ich fuhr in die Hõhe. Chabrun sprach hier einen Gedan- ken aus, den ich vorher schon unklar gehabt, aber niemals zu Ende gedacht hatte. Ich fragte zögernd: Du meinst also, er.

cIch meine, Dietz wird dafür sorgenv, versetzte Cha- brun, aich bin sogar überzeugt, er hat schon Anzeige er- stattet. Chabrun zog aufs neue ein Hölzchen aus dem Feuer. Er hielt es zuerst an dem noch nicht brennenden, dann an dem bereits verkohlten Ende fest und beobachtete aufmerksam den Prozeß des Verglimmens.«Bis zum letz- ten Endchen lv stellte er befriedigt fest. Als Jungen haben wir das mit grõßeren Zweigen so gemacht. Und wenn die Hitze uns auch Blasen in die Hände brannte, der Zweig durfte nicht losgelassen werden, das war Ehrensache. v Er lachte lautlos. Dann, als habe er eine Regung von mir er- raten, kehrte er zu dem früheren Thema zurück: aIn der Sache selbst ist der Dietz im Recht. Denn ob einer deser- tiert, weil er sich vor dem Sterben fürchtet, oder ob er re- belliert, weil er einen philosophischen Kopf besitzt oder sich sonstwie über das Prinzip von Pflicht und Dienst er- haben fühlt, das ist vor dem Gesetz des Soldatischen ganz gleich. v

Er zerbrõselte spielerisch das verglũhte Hölzchen in der hohlen Hand. Meine Anwesenheit schien er vergessen zu haben. Sein Blick war in sich gekehrt und sein Ausdruck

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