sie von Schnellphotographen auf Jahrmärkten gemacht werden, hart und schon ein wenig verblaßt. Sie zeigte Kurt in der Gesellschaft einiger Kameraden vor der Frei- treppe eines Empireschlõßchens. Zwei von den Soldaten trugen eine Latte, an der mehrere Gänse und Hühner pau- melten. Zwei andere wiegten Ferkel in ihren Armen. Die übrigen hatten lange franzõsische Weißbrote geschultert, oder schwenkten Flaschen über ihren Köpfen. Kurt, Mit- telpunkt der ganzen Gruppe, saß rittlings auf einem Fãßchen und hielt eine Riesenwurst wie einen Sãbel in der Faust.
Auf der Rũckseite stand in Kurts steifer gotischer Schrift mit den dem Oberlehrer Zemlitschka abgeguckten energie- geladenen T-Querstrichen: aChateau de..., hundert Kilo- meter von Paris . Rasttag nach glãnzendem Sieg in noch nie dagewesener Durchbruchsschlacht. Das HK II schmückt bereits die Heldenbrust Eures Windbeutels. Wir begeben uns gerade zur Sieges- und Auszeichnungsfeier. In allen Quartieren geht's hoch her. Es wird gebacken, gebraten und geschmaust, was das Zeug hãlt. Wir haben ein halbes Dutzend Kühe gefangen genommen. Zum Nachtisch gibt's herrlichen Kakao mit echt-echter Sahne. Und natürlich Champagner! Der gewünschte Kognak für Onkel Helmut geht mit dem nãchsten Paket ab, wahrscheinlich schon von Paris , wo wir bei dem jetzigen Tempo in Spãtestens drei Tagen sein dũrften. Das EK I holen wir uns dort oder ein paar Wochen nachher vor London . Siegheil!*
Ich drehte die Karte um und betrachtete von neuem die Aufnahme, legte das Jãgerphoto daneben und blickte von einem Bild zum andern.
Ja, das war Kurt. Großmäulig, draufgãngerisch, voller Räuberlust, vor der nichts sicher war, vom Weinfaß bis zum Rittergut. Ich hörte sein Lachen, sein ũbermũtiges Prahlen, unschuldig und lustig zuerst, dann unertrãglich. Ach, wie hatte man sich auseinandergelebt! Wie fremd war man sich geworden! Und doch, bei dem Gedanken, daß
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