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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Es war mir schr recht, bei der Rückkehr auf die Stube die andern so vertieft in Sprechen und Zuhören zu finden, daß sie bei meinem Eintritt gar nicht aufschauten. Sie hock- ten alle in der Ecke, wo Maurers Bett stand.

Maurer, frisch rasiert und mit nacktem Oberkõrper, hatte ein sauberes Hemd auf seinen Knien ausgebreitet, an dem er herumnähte. Seine Stimme beherrschte das Ge- spräch; er redete ungewöhnlich schnell und viel, wenn auch in jener für ihn so charakteristischen tiefen Tonlage, die seine Sprache selbst in der Erregung noch ũberlegt und beherrscht erscheinen ließ.

Dietz, Klobocznik und Chabrun warfen nur Fragen ein, vor allem Dietz, in dessen Organ die Blechtõne ũberwogen, ein untrügliches Zeichen dafür, daß er sich in gereizter Stimmung befand.

Ich hörte nicht hin. In mir war nur der eine Wunsch le- bendig: einen Raum, einen Winkel für mich allein zu ha- pen. Ich ging rasch und so leise wie mõglich auf meinen Spind zu, õffnete seine Tür und wollte mich dahinter set- zen, als Chabrun sich umdrehte und mich erblickte. Fra- gend zog sich die Braue über seinerm schweren Lid in die Hõhe. Ich gab ihm durch eine Gebärde zu verstehen, daß ich allein gelassen werden wollte. Er blinzelte mich noch einmal prfend an, z0g den Rücken krumm und wandte sich wieder den andern zu.

Ich nahm die Schachtel, in der ich verschiedene Papiere verwahrte, aus dem Spind und begann, nach Kurts letztem Brief zu suchen. Er war nicht da.(Und nun erinnerte ich mich auch, ihn nach Hause zurückgeschickt zu haben.) Es war überhaupt kein einziger Brief von Kurt da, nur eine Photopostkarte aus den Tagen des fröhlichen Vormar- sches in Nordfrankreich, eine von jenen Aufnahmen, wie

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