Kurt jetat tot und stumm war, wurde er mir plõtzlich wie- der zum Gefäãhrten der Knabenjahre... Ich bemühte mich, seine Jungenstimme aus der Vergangenheit zurũckzurufen, aber es waren Mutters Worte, die mir statt dessen zuflogen: Als ob es so einfach wãre. Nein, nein, besser ohne Hemd als im Totenhemd.» Und gleichzeitig erinnerte ich mich, wie mir damals, beim ersten Betrachten der Jãgerphotogra- phie, Kurt hinter dem Wald von kahlen weißen Kreuzen verschwunden war.
Eine jãhe Furcht legte mir ihre Knochenhand aufs Herz. Ich stand auf, Sperrte die Bilder weg.
Das Gesprãch der anderen war fast im gleichen Augen- plick ins Stocken geraten. Eine Frage Chabruns hallte noch nach:«Und was will das also heißen dv
Maurer, an den sie gerichtet war, antwortete nicht gleich. Er hatte seine Flickarbeit beendet und streifte eben das Hemd über. Als sein Kopfaus dem Halsausschnitt des Hem- des emportauchte, fand ich mich wieder einmal überrascht von dem Gegensatz zwischen der Helligkeit seiner Augen und der dunklen Starre des Gesichts. Die Augen lãchelten, doch auch im Lãcheln bũßten sie nichts von ihrem harten Glanz ein, der jeden fremden Blick zu brechen schien.
Langsam knũpfte Maurer das Hemd zu. ach glaube, das muß jeder Selbst deuten kõnnenv entgegnete er schließlich. Er schwieg, nachdem er bei den letzten Worten noch die Stimme gehoben hatte. Mit einer prãzisen Bewegung 20g er den Hosenriemen fest. War es die Art, in der er seine Rede abgebrochen hatte, oder war es die Bewegung des Riemenzusammenzichens, oder ein Zucken des Mundes, als Sei er im Besitz einer wichtigen Wahrheit, die wir ande- ren nicht begreifen konnten oder wollten... was es auch war, ich hatte zum erstenmal das Gefühl, ich würde einen Blick hinter Maurers undurchdringliche Maske tun kön- nen.
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