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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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der Macht kann der Himmel doch nicht blau sein!v Allein der Trost war schwach. Etwas wie eine heimliche Wunde blieb.

Es war an einem der letzten Augusttage, und wir hatten nun schon zwei Wochen lang Nacht für Nacht Posten auf dem Frachtenbahnhof geschoben, als Marofke mit der Nachricht kam, daß am nãchsten Abend eine andere Truppe die Bahnhofswache übernehmen werde und daß uns jetzt wieder der übliche Tagesdienst bevorstehe.

Wir wurden durch Marofkes Ankündigung in übermi- tige Stimmung versetzt, denn wenn auch im Anfang die nãchtlichen Wachen mit ihrem so schön dõsig machenden? Müdigkeitsgefühl ganz angenehm gewesen waren, aut᷑ die Dauer bekam man sie doch über oder, wie Klobocznik es ausdrückte: Was zuviel ist, ist zuviel, und sogar Eisbein mit Sauerkraut kann einem zum Hals heraushängen, wenn man's jeden Tag kriegt. v

Die sogenannte Hundewache, knapp vor Morgengrauen, war am wenigsten belicbt; es gab da immer viel Bewegung auf dem Bahnhof, man mußte scharf aufpassen, auch mach- ten gerade dann die Inspizierenden mit Vorliebe ihre Stich- proben.

Klobocznik, der sich sonst, wann immer es ging, von dieser Wache drückte, bat sie sich diesmal eigens aus. Man hat nachher den doppelten Genuß davon; man kann sich sagen:, So, jetzt gibt's mal für eine ganze Weile keine Hundewache mehr?.*

Das Vergnügen könntest du aber billiger habenv, meinte Dietz.

Hier irrt Goethev, verwies ihn Klobocznik, wobei sein aufgeschwemmtes Gesicht in einem schlauen Grinsen aus- einanderging. Da hab ich mal einen Stammgast gehabt,

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