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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
297
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der verzchrte nie was, hõchstens einen von diesen Stangen- käsen, die sich Leichenfinger nennen. Sonst trank er im- mer nur zwei bis drei kleine Mollen. Aber einen Zahn- stocherverbrauch hatte der Mann wie'ne Hochzeitsgesell- chaft bei Kempinski. Na, ich hab mir das eine Weile lang geduldig mitangeschen, aber schließlich fragte ich ihn doch auf den Kopf zu:, Nu verraten Sie mir mal, Herr Knichtel, sind Sie von der Zahnstocherindustrie angestellt oder ha- ben Sie einen Zahnarzt in der Familie, daß Sie immerzu wie'n Wilder zwischen den Zähnen fummeln müssen d Und was gibt mir der Mensch doch zur Antwort? Er pohrt da rum, bis es richtig weh tut, weil's nachher so schön ist, wenn der Schmerz nachlãßt. Und ich kann euch sagen, der Mann war gar nicht s0 doof.v

Marofke meckerte laut auf.«Na, nach dieser Theorie müßte man Ihnen ja quasi allerhand dicke Luft wünschen, wenn Sie auf Posten gehnl»

Nein, danke. Mir genügt eine ganz gewöhnliche, fried- liche Hundewachev, entgegnete Klobocznik. Er zog aus seiner Brusttasche zwei in Zeitungspapier gewickelte Vir- ginia-Zigarren, deren eine er Marofke anbot.

Per steckte sich die Virginia an und schmauchte genie- Berisch. Hm, nicht schlecht. Wo haben Sie dieses Kraut wieder aufgegabelt?v Er drehte die Spitzen seines Kater- bartes in die Hõhe; die roten, verklebten Kuglein funkel- ten. Bitte um friedlichen Wacheverlauf wird unter diesen Umstãnden befürwortend an den Herrn der Heerscharen weitergeleitet.v

Aber es sollte anders kommen.

Klobocznik patrouillierte gerade einen einlaufenden slo- wabischen Getreidezug ab, als vom hintersten Wagen zwei Mãnner in Soldatenuniform absprangen und auf die Koh- lenhalden am Ende der Verladerampe zusteuerten. Ge- stellt, pflaumten sie Klobocznik in reinstem Berlinerisch