Nicht einmal der Himmel ist mehr so blau wie frũher.v Die Worte blieben in mir stecken, als hätten sie einen Wi- derhaken. Und sie sind es wohl, die das Bild des unbekann- ten jungen Mädchens und das Lidkas zu eins werden ließen, so daß ich sie heute überhaupt nicht mehr aus- einanderhalten kann.
Ja, es müssen diese Worte sein... diese Worte, die so seltsam anklangen an etwas, das Lidka einmal zu mir ge- sagt hatte, bei einem unserer Ausflüge.
Wir saßen auf einer Hügelkuppe und sahen über das sanft rollende bõhmische Land hin. Es war Sommer. Die Pflaumenbãume bogen sich unter der Fülle dunkler Frũchte. Das Korn stand in schlanken Garben auf den schmalen, sauber abgeernteten Feldern. In der Weite kräu- selte sich der Rauch der ersten Kartoffelfeuer. Vor den Hãusern eines kleinen Porfes lagen Leintücher ausgebrei- tet, betupft mit Kirmeskuchen, die von den Bäuerinnen zum Auskühlen ins Freie getragen worden waren. Alles war friedlich, einfach, ruhig, und von einer bescheidenen Lieblichkeit.
Lidka ließ sich ins Gras sinken; sie wickelte einen Halm um den Finger, wie es die Kinder gerne tun, und sagte: (Ach, unser Himmel, unser böhmischer Himmel! Wie ein Sonntagskleid ist er von einem kleinen Bauernmãdel. Blau, mit weißen, frisch gebügelten und gestärkten Rüschen und Bändern. Unschuldig und anmutig. Und vor allem sanft. Wenn du ihn richtig sichst, dann verstehst du das Herz des Landes hier. Unser Herz.v
An diese Worte Lidkas mußte ich jetzt denken. Der Himmel war nicht mehr wie früher. Wir hatten ihm die Bläue, die Ruhe und den Frieden geraubt. Wir hatten das Herz des Landes mit schwarzem Haß geladen.
Mich schauderte. Ich lief aus dem Wagen. Der Himmel, zu dem ich hinaufblickte, war dunkel.«Aber es ist ja Nachtv, redete ich mir zu, awas für eine Dummheit! In


