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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
281
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marschieren habe, um einen Sonderwachdienst auf dem Frachtenbahnhof zu übernehmen.

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Mein Schädel brummte, als wir zum Frachtenbahnhof marschierten; er drõhnte, als ich auf der Bahnhofswachstube nach zwei Stunden bleiernen Schlafs geweckt wurde, um Klobocznik auf Posten abzulösen; er dröhnte auch noch bei der zweiten Wache und auf dem Rückweg ins Quartier am nãchsten Vormittag. Er dröhnte, aber er war leer, wun- derbar leer. Ausgekehrt, weggeblasen, untergegangen im dumpfen Gedrõhn waren alle beunruhigenden Gedanken an den Leichnam in der Schlinge, an die tieferen Ursachen, die einen Menschen wie Seelke zum Selbstmord getrieben hatten, und auch an das, was mir selbst noch bevorstehen mochte. Dankbar genoß ich die Ruhe, die mir das Dahin- tappen in einem Nebel von Mdigkeit und Nachrausch gab.

Ahnlich erging es den anderen Mitgliedern unserer Stu- benbelegschaft, die sich in jenen Tagen wohl auch deshalb enger zusammenschloß, weil sie nur vier Mann zählte.(Ei- nen Ersatz für Scelke hatten wir noch nicht bekommen, und Maurer befand sich auf einem zehntägigen Urlaub in seiner rheinischen Heimat, um die Angelegenheiten seiner Familie zu ordnen, die bei einem der letzten großen Flug- angriffe bis auf eine Stiefschwester võllig ausgerottet wor- den war.)

Ja, ähnlich erging es sicher auch den anderen, so ver- chieden sie untereinander und von mit waren. Warum sonst verhockten wir vier jede freie Stunde in der Kantine bei Schwerem Trinken und lärmendem Geplärt von Schnaps- gebeten und Liedern? Warum sonst unterließ Klobocznik seine üblichen Schimpfereien über den Nachtdienst und lobte ihn diesmal sogar für das schöne dõsige Gefühl der Ubermüdung, das die Bierschwere so gut ergänzte? War-