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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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den Griff an der Kehle. Doch, da hörten wir schon, wie Dietz sich unter dem Tisch erbrach und dazu erleichtert

grunzte.

Eine wilde Ausgelassenheit ergriff von uns Besitz. War es nur der Rausch von den Fallschirmrunden, die wir in rascher Folge hinunterstürzten? Oder war es das entfes- selte Lebensgefühl der Gedanke, noch am Leben zu sein, wãhrend wenige Schritte entfernt einer von uns tot dalag? Vir fragten nicht danach. Wir tranken. Wir faßten uns an den Hãnden, alle, auch Chabrun, dem der giftige Spiritus am wenigsten anzuhaben vermochte und der auch in der Betrunkenheit noch seine Haltung bewahrte. Wir tanzten in einer Bockspolonaise durch den Schankraum und gröhl- ten dazu, geführt von Kloboczniks Bierbaß, die, Weise von der allerschönsten Saufkormpanie:

So leben wir, so leben wir, So leben wir alle Tage. Des Morgens bei dem Branntewein...

Gerda, deren zuschends hohler gewordene Wangen wie im Scharlach brannten, ging mit einemmal in das Deutschland - lied über. Wir andern folgten ihrer etwas heiseren Stimme:

Des Morgens bei dem Branntewein, Des Mittags bei dem Bier. Deutschland, Deutschland über alles, Uber alles in der Welt...

c... brüderlich zusammenhältlv ertõnte es plõtzlich un- ter dem Tisch, und Dietz kroch auf allen Vieren hervor.

Von Beifall und Hãndeklatschen angefeuert, richtete er sich auf und verlangte nach einem unvermischten Schnaps. Da ging die Haupttũre auf.

Zugleich mit der Sanitãtspatrouille vom Bataillonsrevier kam Marofke herein und gab bekannt, daß unsere Kom- panie alarmiert sei und in einer halben Stunde abzu-

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