Chabrun legte den Untersatz weg, blinkte mich an. (Kannst dir was einbilden auf diese Beichte, Holler! Meine alte Dame weiß da weniger als du. Gar nichts weiß sie von dem Enkelkind in Neu-Ruppin . Mein Vater, ja, der hätte da- von wissen dũrfen. Der sagte immer:, Jeder junge Mensch rutscht einmal aus, oder auch zweimal. Nut hängenbleiben ist ausgeschlossen. Eine Magd wird nicht geheiratet, heißt es schon in der Schrift. Aber die alte Dame, die hatte nie- mals solche Ansichten. Für die ist schon ein Ausrutschen unverzeihlich. Nom de Dieu, der würde schwarz vor den Augen, wenn sie ihren Joachim bloß in der Gesellschaft von unseren beiden Postengeln hier sähe. Und erst ein Kind von einer Gutsmamsell des Grafen Pahlen! Nein, das würde die alte Dame nie verwinden. Doch davon wollte ich ja gar nicht reden, sondern... ach ja, jetzt weiß ich's wieder: das Kind hätte ein Junge sein kõnnen, nicht wahr, aber nein, das Schicksal will egalweg nicht, daß der Man- nesstamm derer von Chabrun fortgesetzt wird. Nicht ein- mal illegitim. Was übrigens totalement schnuppe ist, weil wir nämlich, im Vertrauen gesagt, doch bloß glühende Schlacke sind.v Er machte eine Pause, trommelte leise ein paar Takte des Prãsentiermarsches auf die Tischplatte. a, wir brennen noch, und was mit uns in Berührung kommt, geht in Flammen auf. Aber eines Tages ist alles aus. Fin- fach aus. Herrgott, was stierst du mich so an, Holler? Ich bin vollkommen zurechnungsfähig, wenn auch genügend besãuselt, um mehr zu reden als notwendig...v Er un- terbrach sich, jãhlings ernüchtert.«Oho, was ist denn da l0s dv
Marofke hatte den Schankraum wieder betreten. Sein verfärbtes Gesicht war von der Blässe eines Kartoffel- keims. Aus den weit gerundeten Augen sprach ein namen- loser Schrecken.
Er setzte mehrere Male an, bevor er etwas Verständ-
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