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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Das Orchestrion spielte Ade nun, zur guten Nacht!; es klang noch verstimmter als gewõhnlich. Wir bemerkten zu erst gar nicht, daß im Halbdunkel hinter dem Musikkasten Seelke Saß. Er mußte schwer getrunken haben und befand sich nun anscheinend in einem melancholischen Rausch. Unsere Einladung, aus sciner Ecke hervorzukommen, lehnte er mit einem kläglichen Gebrumm ab.

Kaum war das Instrument verstummt, als Scelke eine neue Münze einwarf und das gleiche Lied nochmals spiclen ließ.

cIst das aber ein Trauerkloß lv rief Gerda aus. Was ist denn nu in den gefahren?v Sie griff nach dem Glas, das Dietz ihr brachte, und trank mit ihm Schmollis, wobei er sorgsam darauf achtgab, daß sie ihn nur auf die Wangen küßte.

Klobocznik ging zu Seelke hinüber und versuchte, ihn zu bewegen, sich doch zu uns zu setzen, aber Scelke schüt- telte nur in trüber Hartnãckigkeit den Kopf. Schlicßlich gab es Klobocznik auf, weiter in Seelke hineinzureden, und kehrte zu uns zurück. Das heulende Elend, erklärte er, ada ist nichts zu machen. Und er wird sowieso gleich zu Schnarchen anfangen. v

Aber als wolle er das Gegenteil beweisen, ließ Seelke ei- nen neuen Nickel springen, und das Gutenachtlied ertõnte zum drittenmal.

Serda protestierte: Das soll eine Feier sein? Warum setzt ihr den Kerl nicht einfach vor die Türdv

Indem brachte Klobocznik, der mit dem Kantineur ver- handelt hatte, eine große Flasche Wacholderschnaps an den Tisch. Er wollte Gerda nur ein kleines Glas einschenken, doch sie bestand darauf, ein gleich großes zu bekommen wie alle anderen, und Dietz unterstũtzte sie dabei lãrmend. Gerda schmiegte sich an ihn und begann, mit schriller Stimme von einem Besuch im, Heim für werdende Mütter⸗ ihrer Heimatstadt zu erzählen. Eine Schwester und eine

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