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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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chen lang in einer vergitterten Eierkiste eingesperrt gehal- ten hatte, um ihn zu zähmen und abzurichten. Das Tier war schließlich durch das Gitter entwischt zur Genug- tuung Barbaras, die übrigens an dem Entweichen nicht ganz unbeteiligt sein mochte, und zum großen Arger von Kurt, in dessen Augen die Flucht Beowulfs und das Ver- halten Barbaras nichts anderes als schnõde Undankbarkeit und Treulosigkeit darstellten.

Bei der Erinnerung daran kam mir das Lachen. Um auch Seelke etwas aufzuheitern, fragte ich ihn scherzend, ob er Schon gute Nachrichten von seinen beschlagnahmten Wür- sten habe.

Er stierte mich zuerst verständnislos an und machte, als ich meine Frage wiederholte, eine Handbewegung, als wolle er ein lãstiges Insekt verscheuchen. Es war klar, er hatte keine Lust zu einer Unterhaltung.

Schon wollte ich weitergehen, als Scelke mit einemmal aus seiner Apathie erwachte und mich am Krmel festhielt. Warte mal, Holler, bleib. Setz dich doch her zu mir!» Er vergewisserte sich mit einer ängstlich lauernden Miene, daß sonst niemand auf᷑ dem Korridor war, und fuhr in ge- dãmpftem Stimmfall fort: Es ist nãmlich so, ich muß mich mit jemand aussprechen, aber es bleibt unter vier Augen, dein Wort darauflv

Seelkes Gehaben, besonders die pathetische Betonung, die er Seinen letzten Worten gab, stachelte meine Neugier an, schien es doch wieder einmal sein zweites Ich offenba- ren zu wollen: den Nachtigallentriller in der Unterbeam- tenseele, das Veilchen in der Lõwengrube. Auch versprach ein Herzenserguß Seelkes Ablenkung von den zudringli- chen Gedanken über das Zusammensein mit Gerhard und über mich selbst=- und Ablenkung war das Heilmittel, das ich damals immer suchte, wenn ich die Fragen, die sich mir aufdrãngten, nicht in einer harmlosen, leichten Weise 15- sen konnte. Nicht umsonst fand sich unter meinen Tage-

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