buchaufzeichnungen aus jener Zeit ein von mir verfaßtes Gedicht, worin es hieß:
Von dem, was kommt, werd' dir die Wang' nicht blaß, Von dem, was war, werd' dir das Aug' nicht naß!
Was suchst du immer? Ist es eine Melodie?
Ist es die Liebe, die Gewißheit, oder nur die Ruhd Das Beste ist, du machst die Lider zu
Und schlãfst. Dann schlãft auch sie,
Die große Unrast der Gedanken, ein.
Ja, schlaf und lach und trink,
Und laß das Denken sein...
Ich gab Seelke bereitwillig mein Wort, alles geheimzu- halten, was er mir anvertrauen würde. Er nahm mein Ver- sprechen mit ernsthaftem Nicken entgegen, verzog sein Jungengesicht, dessen Apfelbacken in den letzten Tagen ihre rosige Farbe eingebüßt hatten, zu einer wehleidigen Grimasse und ũberraschte mich mit der Frage, ob ich wisse, was ein Pochen im Weisheitszahn bedeute.
Ich sprach die Vermutung aus, daß es Zahnweh an- kündige.
Seelke ging auf meinen Ton nicht ein. Sein Weisheits- zahn sei ganz gesund und deshalb habe es mit dem Pochen eine besondere Bewandtnis. Es sei für ihn eine Warnung vor bevorstehendem Unglück. Jjetzt glaubst du vielleicht, ich kohle dir was vorv, schloß er, Caber ich kann dir nur sagen, ich habe da meine Erfahrungen, zum Beispiel wie Lindchen damals den schweren Scharlach kriegte oder wie meiner Frau die Erbschaft nach ihrer Tante weggeschwom- men ist.v
Und wie war es neulich mit der Bahnhofskontrolle? Hat dich da dein Weisheitszahn auch vorher gewarnt?v
Wieder ũberhörte Seelke meinen Spott. Seine Finger, die nie unbeschäftigt sein konnten, knüpften an einem Bind- fadenende herum. Eine eigensinnige Falte erschien zwi-
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