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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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ich, daß er zu jenen geschäftstüchtigen Volksgenossen ge- hörte, die Schleichhandelsgeschäfte mit Urlaubern von der Front machen. Wahrscheinlich bot er Gerhard Prager Schinken gegen Tabak oder etwas Ahnliches an.

Gerhard schien zuerst nicht zu begreifen, was der Mann wollte. Pann wurde er steif. Sein mageres Gesicht ver- dunkelte sich. Er legte die Rechte auf seine Revolver- tasche und knarrte:«Unerhörte Zumutung, das! Sind wohl ganz verrückt geworden, Mann? In einer Zeit wie in dieser.. Werde Sie abführen lassen. v

Doch der feiste Mann war unterdessen schon mit einer Geschwindigkeit, die ich ihm nicht zugetraut hätte, um die nächste Ecke verschwunden. Gerhard lachte ärgerlich, rũckte die Revolvertasche zurecht und marschierte ab gerade, schlank, sauber wie ein frisch gegossener Zinnsol- dat.

Ich hatte ein leichtes Schwindelgefühl. Aber das war der Schnaps, nur der Schnaps, ader ungarische Pflaumen- Schnaps, aus süßen Zwetschgen und nicht aus Raps. v Ich wiederholte den albernen Singsangvers so lange, bis mein Kopf leer war, ganz ausgefegt wie nach einem Rausch.

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Ich kam eine gute halbe Stunde vor der Befehlsausgabe ins Quartier zurũck.

Auf der Kohlenkiste neben der Türe zur Kompanie- kanzlei hockte mit rundem Rücken Seelke, und drehte die Daumen ineinander. Er schaute erst auf, als ich vor ihm stehen blieb. Hinter den ovalen, stahlgefaßten Brillenglã- sern, die ganz gegen alles Herkommen von Schmutz und Staub beschlagen waren, flackerten die kurzsichtigen Au- gen stumpf᷑ und hoffnungslos wie Totenkerzen. Ich mußte an Beowulf denken, den fetten traurigen Hamster, den Kurt einmal in den Schuſferien gefangen und mehrere Wo-

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