Hunger. Laß dir deinen Dienstfrei-Zettel stempeln, und heidil
Gerhard fand, ohne lange zu suchen, in der Nähe des alten Pulverturms ein Gastlokal nach seinem Geschmack. Der Oberkellner, ein Deutscher, wurde schnell zugänglich, sowie er ein Pãckchern Tabak von Gerhard zugesteckt be- kam. Er versprach, den Paprikaspeck aus der Kartentasche zur Zubereitung eines zünftigen Rostbratens zu verwen- den und auch eine Flasche echten franzõsischen Wein auf den Tisch zu stellen; ja, er brachte sogar zwei kleine Hum- mer-Konserven— ,kartenfrei, aber überhaupt nicht mehr auf dem Markt zu haben“— zum Vorschein. Der Preis, den er nannte, erschien mir sündhaft hoch, doch Gerhard zi- tierte unseren Onkel Helmut:, Hãätten wir's nicht, so tãten wir's nicht!“ und ließ die Konserven öffnen.
(Tja, das Verschwenden gewöhnt man sich draußen im Feld anv, meinte er lachend, und auch die Liebe fürs Fut- tern, fürs exquisite Futtern. Man weiß ja nie, wie oft man noch die Gelegenheit haben wird, zu süffeln und zu prassen, auch wenn man nicht gerade ans kühle Grab denkt. v
An der Türe des Lokals hing eine Tafel mit der Inschrift „Nur für Volks- und Reichsdeutsche. Wehrmachtsange- hörige vom Feldwebel aufwärts“. Ich bemerkte sie erst jetzt, als wir uns an einem der kleinen Nischentische nieder- ließen. Gerhard folgte meinem Blick, erhob sich, stelzte zur Türe hin und drehte die Tafel um.
Ja, auch das sind Aüren, die man sich erst als altes Frontschwein beibiegtv, erklärte er, noch vor einem Jahr hätte ich so was schwerlich gemacht. Aber heute... Na, lassen wir das. Da kommt auch schon der Braten. Duftet nicht übel! Und da ist der Wein, schau mal an, ein wirk- licher Beaujolais. Bonjour, Mussjöh, wir haben schon frü- her Bekanntschaft gemacht, jaja, das waren noch Tage, anno vierzig, im Hotel Esplanade, unten in Biarritz! Wo
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