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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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wesentliche Verãnderung vor sich gegangen war. Früher hatte es eigentlich nur zwei Ausdrucksmõglichkeiten be- sessen: eine Dienst- und eine Außerdienstmiene, grim- mige Entschlossenheit und leichtes, võllig unverbindliches Lächeln. Jjetzt war in seine Züge, die härter geprägt schie- nen, zugleich auch etwas Bewegliches, etwas Unstetes und Wechselvolles gekommen. Lag das an dem dunstigen Leuchten der vorher so matten graugrünen Augen? Oder an den vielen Krähenfüßen, die früher nicht dagewesen waren d Oder an den Falten, die sich von der Nase zu den tief gesenkten Mundwinkeln zogen?

Wie dem auch sein mochte, ich sah einen andern Ger- hard vor mir, als ich ihn bisher gekannt hatte, und dieser Eindruck verstärkte sich noch, nach unserem Beisammen- sein, beim Frinnern und Uberdenken.

Gerhard setzte mich kurz davon in Kenntnis, daß er sich aut᷑ einer Pienstreise hefand. Er hatte für seinen Truppen- teil Pferde aus Ungarn übernommen und war nun auf dem Rückweg zur Front. Tags zuvor hatte er einen kleinen Ab- stecher nach R... machen können. Nun blieben ihm bis zum Abgang des Berliner Schnellæzuges, mit dem er seinen Pferdetransport einzuholen gedachte, noch drei Stunden, und diese Zeit wollte er mit mir verbringen: bei einem passablen Essen, für das er einige Rohstoffe in seiner un- fõrmig geschwollenen Kartentasche mit sich führte, und bei einem guten Schluck Wein, der sich hoffentlich in die- ser schönen, aber verteufelt abweisenden Stadt würde auf- treiben lassen. Mein Kompanieführer habe mir freund- licherweise bis zur abendlichen Befehlsausgabe dienstfrei gewährt.

Also mach dich fertig lv rief Gerhard, nachdem er mich noch schnell einer Musterung unterworfen und ziemlich stramm herausgemacht befunden hatte, wir haben nicht viel Zeit, und ich fühle eine leise Regung von gewaltigem

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