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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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sind die hin, o jerum! Aber was vergangen ist, ist ver- gangen. Los, greif zu, Hans, sonst kommmst du zu kurz!

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Wãhrend des Essens erzählte Gerhard von seiner Reise durch Ungarn , wo es immer noch ganz weißes Gebäck und viele junge Männer im Hinterland gab und wo man dem deutschen Bundesgenossen offensichtlich nicht gerade un- gemischte Liebe und Treue entgegenbrachte.

Darauf wandte sich unser Gespräch R... zu. Gerhard hatte Mutter etwas hinfällig gefunden. Auch Onkel Hel- muts Munterkeit war ihm nicht ganz geheuer erschienen. Es steckt so was Fiebriges, Hektisches dahinterv, meinte er,(vielleicht irre ich mich aber, und der Schüttelfrost sitzt mir in den Knochen, nicht ihm. Na, schön. v

Von Anneliese hatte Gerhard nichts geschen, dafür um so mehr gehört, und nicht eben das Beste. Aber da sie ja nicht mehr meine Frau sei, könne man zu einem andern Thema übergehen. Das andere Thema war Rffi.

Serhard schenkte sich ein frisches Glas Beaujolais ein und schnalzte leise, als er die Bemerkung machte, das Mãd- chen habe sich kolossal herausgemacht; ihre Beine seien gefährlich fesch: die reinen Tankfallen, und wenn er nicht bloß einen halben Tag in R... gewesen wäre...

Ich beschäftigte mich bei diesen Worten angelegentlich mit einem Knochen, hatte aber die Empfindung, daß Ger- hard mir etwas anmerken müsse, doch er war schon bei Bruder Kurts letzten Briefen, die man ihm daheim gezeigt hatte. Mir schreibt er ja hõchstens mal einen Geburtstags- brief oder er schickt ein Telegramm, aus dem man nichts erfährt. Aber wie ich jetzt seine Briefe an Mutter las, war ich platt. Der scheint ja wirklich noch immer in der glei- chen Hurra-Stimmung zu sein wie in den schönen Frank- reichtagen, ganz fest überzeugt, daß es mit ihm und daß es

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