strafenden Schicksalsschlages eigentlich immer in mir trug- immer seit dem Tage meiner Finzichung zum Mili- tär, nein, schon seit meinem Fintritt in den Nationalsozia- listischen Studentenbund. Ich versuchte nie, seinen Wur- zeln nachzuspũren oder sein Wesen aufzuklären; ich nahm es als gegeben hin in einer ähnlichen Weise, wie ich als Schüler beständig darauf gefaßt war, daß etwas in meinem Tun oder Blick oder Pasein den Zorn von Herrn Ober- lchrer Zemlitschka erregen und seinen spanischen Rohr- stock in Bewegung setzen konnte.
Erst jetzt weiß ich, daß dieses allgemeine Schuldgefühl in uns mit Absicht erregt und wachgehalten wurde, als Teil eines ausgetüftelten Systems, das ich Kraft durch Furcht? nennen mõchte.
Ja, genau so wie sie uns aneinander und an das verruchte System ketteten durch die Untaten, die wir mitbegingen oder mitans ahen und nicht verhinderten,— genau so zwan- gen sie uns zu Gehorsam, Ausrichtung und Disziplin durch jenes immerwährende Gefühl einer Schuld, durch jene ewige Furcht vor einer unberechenbaren strafenden Ge- walt, durch jenen Zustand nie endender Unsicherheit, wie ihn das Führerprinzip mit seiner Willkür und seiner For- derung nach blindem Gehorsam hervorbringt.
Als ich eintrat, war der Kompanieführer, Oberleutnant Malzahn, nicht im Zimmer. Auf dem Fensterbrett saß mit abgewandtem Gesicht ein hochgewachsener, hagerer Offi- zier in eleganter Felduniform. Auf meine Eintrittsmeldung hin wandte er sich um und sprang zu Boden. Sein Gesicht blieb im Schatten, auch war die Mtze tief in die Stirn ge⸗ rũckt. Etwas Unbeholfenes lag in seinen Bewegungen; er hatte einen steifen Arm.
Rühren lv sagte er leise, und nun erst erkannte ich ihn. Er lachte über meine Verwirrung. Rühren, Oberschütze Holler. Na, das nenn ich aber Abhandensein von jedem
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