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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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teljahr ließ der Hauswirt meinen Hermann wegen Miets- rũckstand exmittieren, und das Türkenzimmer stand im kRegen auf der Straße. Aber so war er nu mal, der Her- mann, immer hoch hinaus. Auch jetzt wieder. Einfach er- Schossen hätte ihm nicht genügt. Nein, er muß auf ein er- beutetes Pferd klettern, der Gaul haut ab, mitten in ein rus- sisches Minenfeld. Tja, was soll ich euch sagen? Von Roß und Reiter ist nicht soviel übriggeblieben, wie unter einen Fingernagel geht. v Scelke seufzte, setzte sich die Brille auf und nahm den Brief der Schwester nochmals vor.«Und nun soll ich die Traueranzeige für den Hannoverschen Ku- rier zusammenstellen! Was Würdiges und Rührendes und Vaterlãndisches will sie haben. Drei Wochen lang kann ich mir's überlegen, weil die Zeitungen jetzt nur zehn solche Anzeigen pro Tag pringen drfen, und da kommt ihr Her- mann frühestens Mitte August dran.v Er seufzte wieder und schüttelte sich. Drei Wochen lang immerzu an den Hermann denken, nein, danke!v

Seelke stand hastig auf, holte aus seinem Spind Feder, Tinte und einen Schreibblock, riß ein Blatt ab, linierte es, malte auf die oberste Linie das WortTraueranzeige und z0g darum einen genau gezeichneten Schnörkel. Dann be- gann er an seinem Federhalter zu nagen. Mehrere Male Sctzte er zum Schreiben an, steckte den Federhalter jedoch immer wieder, ohne einen einzigen Strich getan zu haben, zwischen die Zähne zurück. Schließlich schob er das Schreibzeug mit einer Gebärde des Ekels von sich.(Nein, hol mich der Teufel, ich bringe das nicht zuwegelv Er fuhr sich mit beiden Hãnden in die graue Igeffrisur. Sein Blick suchte Pietz, der sich ihm neugierig gegenüberge- setzt hatte, jetzt jedoch den Uninteressierten mimte.«Hör mal, Windhund, du könntest mir da eigentlich helfen. Dir macht so'ne Schreiberei doch nichts aus, du bist sowieso ein halber Schriftsteller.v

So sichste aus!y gab Dietz in hochnäsigem Ton zu-

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