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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Ich las die Zeilen mehrmals hintereinander. Ich wußte nicht, was von ihnen zu halten. Bald erschienen sie mir voller Hoffnung, pald wieder bestätigten sie meinc heim- lichen Angste. Jje õfter ich sie las, umso dunkler wurde ihr Sinn. Chabrun hatte recht, ich konnte die Einsamkeit nicht ertragen. Doch wie ihr entflichen?

Mein Blick fiel auf die Scherben des von Chabrun weg- geschleuderten Glases. Sie glänzten wie Stũckchen eines zerbrochenen Regenbogens. Mir gefiel dieser Vergleich. Ich verlicbte mich in ihn, wie man sich zuweilen in eine Melodie verliebt, die einen dann nicht losläßt. Plõtzlich empfand ich Widerwillen. Was Sollte das alles? Ich wünschte mir, ich hätte mehr getrunken, viel mehr, bis zur Bewußt- losigkeit.

Unten bei den Weidenbäumen stand Chabrun, eine schmale, vorgebeugte, schnsüchtige Gestalt. Ich sprang von der Mauer und lief zum Flußufer. Als ich herankam, sah ich, daß Chabrun Wasser abschlug.

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Auf dem Gang vor der Stube stapfte Unteroffizier Ma- rofke hin und her. Er mußte sich in großer Aufregung be- finden. Wir konnten deutlich hören, wie er am Ende des Ganges, vor dem Kchrtmachen, jedesmal dem Sandeimer einen Tritt versetzte.

Na, der tobt nicht schlechtv, sagte Diet⸗ zwischen wol- lůstigem Gãhnen. Er lag auf dem Rücken, hatte Uniform- jacke und Hemd aufgeknõpft, und rich sich liepevoll die bepelate Brust. Daß diese Astlõcher aber auch ausgerech- net jetzt weg sein müssen. v

Die Astlöcher, das waren Klobocznik und Seelke. Sie hatten sich an diesem, aller Voraussicht nach võllig siche- ren Nachmittag(die eine Hãlfte der Gruppe schob Wache, die andere reinigte Gewehre) verkrümelt, um Frau Frieda

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